Noch in den 1980er-Jahren erfuhren wir das Neuste aus der Welt bestenfalls einmal pro Stunde aus dem Radio und aus dem Fernsehen zwei- bis dreimal am Tag zwischen 16 Uhr und Mitternacht.
Vor allem wurde das Neuste aus der Welt aufbereitet von Fachleuten dafür: von Journalisten.
Wir vertrauten den Journalisten und die Journalisten erstellten ihre Berichte basierend auf einem strengen Kodex und Selbstanspruch in Sachen kompetenter Ausgewogenheit. Diese Grundprinzipien lernten wir sogar in der Schule als Muster für Aufsätze im Deutschunterricht: Wir lernten, dass es um ein ausgewogenes Auflisten der Fakten geht, dann um die Beschreibung der Vor- und Nachteile unterschiedlichen Handelns auf Basis dieser Fakten, und schließlich um ein alle Vor- und Nachteile berücksichtigendes Resümee. Ganz am Ende war es erlaubt, kurz seine eigene Einstellung zum Thema zu erläutern – kurz und entsprechend gekennzeichnet.
Ohne Vertrauen geht nichts. Vertrauen wird immer wieder diskreditiert, indem es mit blindem Gehorsam gleichgesetzt wird. Und das Berichten mit Manipulation. Das wiederum nennt man Propaganda. Propaganda diskreditiert Kompetenz, hasst Ausgewogenheit und besticht allein durch Lautstärke – so wie Ray Bradbury es in seinem Roman Fahrenheit 451 einen Feuerwehrhauptmann formulieren lässt: „Wenn das Theaterstück schlecht ist, der Film schwach, das Hörspiel nichtssagend, dreh die Lautstärke höher.“
Die Lautstärke besorgen die sozialen Medien. Am Knopf drehen Algorithmen und Bots – die Werkzeuge derer, die Vertrauen missbrauchen und zerstören.
2026 ist der Roman Fahrenheit 451 in den USA als Schullektüre und in öffentlichen Bibliotheken verboten.
# Der Vorsitzende der Internet-Enquete des Bundestags verlangt eine Klarnamenpflicht im Netz: Nutzer sollen im Web „mit offenem Visier“ diskutieren, findet Axel E. Fischer und erntet Spott. Würde man Fischers Forderungen fürs Netz auf die Kneipe übertragen, müssten dort alle mit einem Namenschild herumlaufen. Sie würden beim Biertrinken ständig gefilmt und all ihre Äußerungen könnte man unter ihrem Namen später im Kneipenarchiv im Web abrufen. Das würde die Umgangsformen in einer Kneipe womöglich verbessern, vorausgesetzt, es käme überhaupt jemand zum Trinken an einen solchen Ort.
Weihnachten, Silvester, Geburtstage. Dann doch immer wieder sehr präzise Freundschaftsgradmesser.
Besonders gern geschlachtet werden auf europäischen Bühnen immer wieder Stücke wie „Der kaukasische Kreidekreis“, „Der zerbrochene Krug“ oder „Der Kirschgarten“. So wie Dürrenmatts „Physiker“ anscheinend irgendwann zum sysiphusartigen Zombiedasein in schulischen Theater-AGs verurteilt wurde. Warum können gute Stücke nicht öfter von richtig guten Ensembles, inszeniert von richtig guten Regisseuren (die auch gerade nicht ausgebrannt oder uninspiriert sind), gemacht werden? Man kommt sich in Theaterdeutschland vor wie in einem Steakhaus, in dem alles, was mit großem Gestus auf den Teller kommt, durchgebratene Filets sind. Ich will mal wieder richtig gute Stücke richtg gut gespielt sehen. Ich meine, jede versemmelte Inszenierung verprellt ja auch Publikum, da kann der Stoff noch so genial sein; ich will nicht wissen, wie viele Zuschauer allein Tschechov jedes Jahr wegen versemmelter Kirschgärten, Möwen und Schwestern verliert.
„Der Machtkampf ist offenbar entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen.“ (Spiegel Online, 18. Juli 2009)
Der VW Carrera. Demnächst in Ihrem Autohaus.
…eigentlich auch erst sterben, damit ihn wieder wer wieder hört?
Immerhin hat der Komponist all dieser sehr geilen Scheiße, der jeden verklagt, der sich ein Abbild von ihm macht (als Extremmasochist verklagt er besonders gerne seine Fans), mittlerweile eine lustige Homepage – die allerdings so unintuitiv zu bedienen ist, dass man versteht, warum er das Web nicht versteht (ach, ja: der Eintritt kostet 77 Dollar, ausziehen kostet extra und auf den Mund küssen ist verboten):
The crux of the problem is that the [doomsday] clock—or indeed any clock—is an exceedingly poor metaphor for the level of global threat. Its “time” is devoid of any real meaning. It was only initially set at seven minutes to midnight, because this “looked good to the eye” of the artist who drew it.Scientific American
Comedy ist okay, aber es hilft immer, wenn Komik und Virtuosität zusammentreffen. Das ist eine alte Binsenweisheit, die seit Jahren zugunsten schneller Vermehrung von Privatkapital unter Zuhilfenahme digitaler Massenmedien geflissentlich ignoriert wird. Komik und Virtuosität! Wie kraftvoll und doch differenziert im Geschmack! Wie unvergesslich im Abgang! Nichts für Freunde von Racke Rauchzart. (mehr …)
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
