Wie bekloppt, dass dieses ganze Wirtschaftsgedöns so sehr an der Autoindustrie hängt. Wie absurd, dass Leute, die schon Autos haben, qua „Abwrackprämie“ bewegt werden sollen neue Autos zu kaufen um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.
Warum beispielsweise keine Abwrackprämie für Ehepaare? „Wer sich scheiden lässt, bekommt 2000 Euro!“ Das schüfe viele frustrierte Singles, die mehr DVDs kaufen, viel Junkfood, Alkohol und Zigaretten konsumieren um schließlich vor der Zeit zu sterben und die Renten- und Sozialkassen nicht zu belasten?
Eben, das wäre nämlich genauso bekloppt.
Es sind schwierige Zeiten, von Liebe zu reden. Lachend sagte Marius Müller Westernhagen, auf die Liebe seines Lebens angesprochen: „Ich sag da nichts zu. Ich habe solches Glück, wenn ich davon rede, kotzen die Leute.“
Wir sind Gefühle an der Grenze zum Pathos nicht mehr gewohnt, so wie – nachvollziehbarerweise – die Vorstellung schmerzhaft ist, dass Harald Schmidt den Germont singt. Oder nehmen wir den „sie-kriegen-sich“-Monlolog aus Wim Wenders „Himmel über Berlin“… Ein Monolog wie aus einer Oper. (mehr …)
Comedy ist okay, aber es hilft immer, wenn Komik und Virtuosität zusammentreffen. Das ist eine alte Binsenweisheit, die seit Jahren zugunsten schneller Vermehrung von Privatkapital unter Zuhilfenahme digitaler Massenmedien geflissentlich ignoriert wird. Komik und Virtuosität! Wie kraftvoll und doch differenziert im Geschmack! Wie unvergesslich im Abgang! Nichts für Freunde von Racke Rauchzart. (mehr …)
Ich sah den belgischen Rocker Arno Hintjens 2007 beim Francophonics Festival in der Berliner Kulturbrauerei. Nach dem Konzert wurde ich dem verkaterten Belgier im benachbarten Restaurant La Muse Gueule vorgestellt. „Wer bist Du, wo kommst Du her?“ fragte er und nippte am Wein. Ich bin immer supernervös, wenn ich in Belgien weltberühmten Rockern vorgestellt werde und antwortete: „Ich war eben auf dem Konzert eines verkaterten Belgiers“. Er quälte ein Grinsen hervor, nickte und verkroch sich wieder im Nachtprogramm seines Schädelkinos.
Es folgte Smalltalk über Wein, währenddessen er ein paar mal an seinem Rotwein nippte und bald aufstand um sich zu verabschieden. Trotz der Gesprächsavancen seiner Vorgruppe, einer lesbischen Folk-Rockerin, die sehr nervös schien angesichts des in Belgien weltberühmten Rockers. Der ging mit einem Blick wie aus einem seiner Songs: Excuse me, I’m not good company …
Die Folk-Rockerin stand nach dem Konzert lang in der Discothek, nippte an irgendeinem Getränk, und alles an ihr sagte: Excuse me …
„Wenn ich Sie mir so anguck, könnt ich mir vorstellen, dat die Fantasie von so mancher Dame ganz schön am Kochen fängt!“Adolf Tegtmeier (Jürgen von Manger)
Hach. Je länger ich lebe desto mehr muss ich lachen, wenn knapp zwanzigjährige mit ernster Mine Sätze sagen, die anfangen mit „Als ich jung war…“ Drei Beispiele. Einer ist geliftet. Einer wird mit dem Alter besser. Einer ist tot und war irgendwie auch nie jung, passte also eigentlich gar nicht in die Reihe, könnte man nicht sagen: alle drei haben den Blues. Los gehts mit dem Mann mit der Pudelfrisur.
ALL BY MYSELF, written by: Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (1873-1943) & Eric Carmen (1949-*). Performed by Eric Carmen (1975). Appears on: Eric Carmen (1975), All By Myself (1977), The Best of Eric Carmen (1988, 1999), Ringo Starr & His All Starr Band – Anthology (2003), Absolute 70’s Legends (2007).
Auch mal jung war Bluesman Eric Burdon, der sein „When I Was Young“ ein Jahrzehnt vor Eric Carmen auf den Markt warf und damit den Trend zur präkoxen Altersweisheit vorwegnahm: Burdon war gerade mal 25, als er sein Testament vertonte, das sah damals so aus:
Richtig gut wird der Song aber bei Burdon erst, indem dessen Körper und Seele in den Song hineinwachsen. Die Version auf der 2005er Scheibe „Athens Traffic Live“ ist outstanding. Dieses Video stammt aus dieser Zeit:
Wir wachsen alle in unsere Songs rein. So oder so. Eric Carmen hat mittlerweile die Pudelperücke abgelegt, sich ein paarmal liften lassen und tritt im Rockstar-Streichelzoo von Ringo Starrs „All Starr Band“ auf. Och, Männo. Schade.
Prost, Eric.
À propos. Hier die ultimative Gerstensafthymne. Unsere Nummer eins, bitte immer wiederwählen: Jürgen von Manger. Bitte anschnallen. Und nochmal Prost:
Wolfgang Lüchtrath. Heute kann ich mir vorstellen, dass es mehr als die offiziellen Rückenprobleme waren, die ihn 1989 mit der Comedy aufhören ließen, obwohl er zu den Wenigen gehörte, die Möglichkeiten und Beziehungen genug hatten, in die Riege der Spaßmillionäre aufzusteigen.
Man macht sich so schnell unbeliebt, wenn man die Fragen stellt.
TILT! Der klamme Bezahlsender Premiere dreht seinem Free-TV-Gamerkanal „Giga“ den Geldhahn zu. Mit der Einstellung von Giga ende, so GIGA-Geschäftsführer Stephan Borg, eine der innovativsten Medienformen, die es nur geben kann. Yo. So innovativ, dass Anke Engelke, Ingolf Lück, Markus Maria Profitlich und Bastian Pastewka, damals zusammen das Newcomer-Starensemble der innovativen „Wochenshow“ (SAT.1), das Format schon 1999 als „Gaga“ parodierten.
SAT.1 wiederholt übrigens morgen eine „Wochenshow“ aus dem Jahr 2000, in der eine „Giga“-Parodie enthalten ist. Aus der Folgenbeschreibung:
„Gaga“, die Internet PC Show, hat heute wieder „tons of“ tolle Themen. Webmaster Porn X (Ingolf Lück) presented die allerneuesten „voll coolen“ Trends von der Cebit, u. a. Internet-Shopping. Die hippe Manuela (Anke Engelke) ist „totally“ begeistert von den Einkaufsmöglichkeiten im Netz. Frank (Bastian Pastewka) hat alle seine Küchengeräte vernetzt und demonstriert die Bedienung vom Laptop aus. Spacy @gar (Markus Maria Profitlich) zeigt die neuesten und geilsten Games von der Cebit.
DIE WOCHENSHOW (D 2000), 14.02.2009, 23:15, SAT.1.
„Der Maat legt Hand an ihre Hüfte
und zwickt sie auch, da sprach sie ‚Au!’.
Doch als er sie dann näher prüfte
rief er ‚Verflucht das ist ja eine Frau’.Jaja des Schleusenwärters blindes Töchterlein
kam statt des Bruders in der Dämmerung.
Jedoch der junge Maat hat es zu spät geahnt,
ja wie gesagt sie war ja noch so jung.“
(Ulrich Roski, Des Schleusenwärters blindes Töchterlein, 1970.)Mit Reinhard Mey ging er in eine Klasse, mit Schobert & Black zog er um die Häuser, wenn er nicht Platten mit ihnen aufnahm. Nebenbei schrieb er Texte für das deutsche Schlager- und Chansonpersonal: Joana tourte mit seiner Verbeugung vor dem französischen Deftig-Dichter François Villon: « Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr – où sont les neiges d’antan ? » wurde ihr Hit.
Er selbst war eher scheu und ein Meister darin, sich zu verstecken: er perfektionierte eine Schreibe, die seine Texte so ziseliert daherkommen ließ wie altes Tafelsilber. Sein Bühnenvortrag war so kontrolliert, dass er manieriert wirken konnte. Er war nicht kumpelig-blödelnd wie Insterburg & Co., nicht lagerfeuer-ostpreussen-verschmitzt wie Schobert und Black und nicht so gutfreundig gewinnend wie Reinhard Mey. Er war ein großer Melancholiker, aber zu verschlossen, um das in seinen Vortrag einzubringen – diese Seite brachten eben Künstler wie Joana auf die Bühne.
Ulrich Roski schrieb ihnen die entsprechenden Texte.
Nur in Deutschland gibt es diese Leute, die in verkehrslosen Straßen an roten Fußgängerampeln stehenbleiben und mir, der ich die Ampel ignoriere, weil es mir sinnfrei erscheint, drei Minuten eine leere Straße zu beobachten, hinterhernörgeln: „Bei Rot steht man!“
Solche Leute bevölkern Prozesse, Ausschüsse und Abnahmeprotokolle. Sie schreiben Mails mit „wie bereits telefonisch besprochen“ oder „bitte zeitnah zu erledigen“. Was solche Leute verkörpern, ist nicht Bürgerlichkeit. Das ist administrierte Lebensangst.
Nicht mit mir.
Mein Fahrrad kommt frisch aus der Frühjahrsinspektion, geht ab wie Luzie, und ich ignoriere Rot. Julius Cäsar hat schließlich in Gallien auch nicht an jeder Ampel gehalten – und die Pariser halten es bis heute so.
Deswegen hatten die Coco Chanel.
Und wir haben Harald Glööckler.
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Mit dummen Menschen zu streiten ist wie gegen eine Taube Schach zu spielen: Egal wie gut Du spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.Unbekannt
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Guten Tag. Mein Name ist Sven K, das Internet ist seit 1996 meine Eckkneipe. Herzlich willkommen.
Guten Tag. Mein Name ist Sven K. Das Internet ist seit 1996 mein Wohnzimmer. Herzlich willkommen.
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