Selten Dämlich | Das Ein-Mann-Social-Network

Sven K. – Journal2026-09-14T02:38:49+02:00
  • Reines Theater, der Mensch an sich soll auf die Bühne kommen. Hilflos der Versuch, diese Neutralität herzustellen: Die Schauspieler um Étienne Decroux betreten die Bühne unbekleidet – bis auf eine Windel und einem Nylonstrumpf auf dem Kopf), wie autistisch-magersüchtige, manieristisch gestikulierende Sumoringer ohne Gegner. Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Genau so können Schauspieler nicht nicht Individuen sein. Ein Prinzip, an dessen Vermittlung der englische Philosoph Graham Chapman schon 1979 verzweifelte.

  • « Kaï kaï kaï! » (Rantanplan)

    Freude! Lucky Luke ist wieder da! Um zu verstehen, warum das ein kleines Wunder ist, muss ich einen Absatz lang ausholen.

    Absatz.

    Mit den knalligen Kostümfarben der Protagonisten haben die Verfilmer von Comics seit jeher Probleme, weil sie auf der Kinoleinwand schlicht albern wirken. Besonders schwer ist die Kombination von Blau, Rot und Gelb, der Grundfarben, die das Outfit sowohl von Superman als auch von Lucky Luke ausmachen. Beide Helden mussten so albern rumlaufen, weil die bunten Comicbeilagen der Zeitungen, in denen sie vor sechzig, siebzig Jahren beheimatet waren, Farben aus Kostengründen meist nur monochrom druckten. Das ging in den Zeitungen, das ging gar nicht im Kino. So wirkt Superman in allen Verfilmungen albern und auch vom Comicklassiker „Lucky Luke“ gab es bisher nur zwei „Thema verfehlt“-Realverfilmungen.

    1991 schlüpfte Spaghettiwestern-Ikone Mario Girotti alias Terence Hill in die Rolle des Lonesome Riders – lieferte aber nur eine langatmige Parodie seiner „Nobody“-Filme. 2004 schuf Regisseur Philippe Haïm dem französischen Comedy-Duo Eric & Ramzy für ihre platten Gags eine als Gelddruckmaschine geplante Kinoplattform, die der deutsche Verleih vergeblich als „Lucky Luke gegen die Daltons“ auf den Markt warf – was zudem ein Mogeltitel war, denn tatsächlich kam Lucky Luke in dem dreisten Blödelstreifen nur sechs Minuten vor und die Rolle wurde zudem vom als Quotengermanen gewohnt fehlbesetzten Til Schweiger vertraut zuverlässig versemmelt. Nach so vielen Sockenschüssen schien Lucky Luke fürs Kino gestorben zu sein. Bis jetzt: Gott sei Dank bekommt der Comic-Klassiker von Morris und René Goscinny („Asterix und Obelix“) jetzt endlich eine würdige Kinohommage: Lucky Luke kommt im Herbst 2009 zum dritten Mal als Realverfilmung ins Kino.

    Absatz Ende.

    Regisseur James Huth () hat die neuste Adaption gerade abgedreht – in der Hauptrolle: der französische Shootingstar Jean Dujardin (, demnächst auch in Deutschland auf DVD), dem die Rolle des Comic-Cowboys auf den Leib geschneidert scheint. Kostüm und Maske haben ganze Arbeit geleistet. Das Comic-Kostüm bleibt, anders als bei Terence Hill, erhalten – wirkt aber trotz der Tatsache, dass es in den Grundfarben Blau, Gelb und Rot gehalten ist authentisch, da ordentlich angeschmuddelt (im Gegensatz zum Til-Schweiger-Kostüm, das so gelackt sauber war, als käme es direkt aus der Karnevalsabteilung eines Kölner Kaufhauses). Selbst Lucky Lukes Leningrad-Cowboys-Gedächtnis-Tolle steht Jean Dujardin erschreckend glaubwürdig zu Gesicht.

    Inhaltlich, das lässt der erste Trailer erahnen, bekommen wir es neben einer authentischen Comicverfilmung auch mit einer  genussvollen Genreparodie zu tun. So nuckelt der Titelheld zwar weiter an Strohhalm statt Selbstgedrehter (das Kettenrauchen hatten ihm Zeichner und Autor im Zuge einer französischen Nichtraucherkampagne schon 1983 abgewöhnt), aber die Welt, in der er sich bewegt ist eindeutig die schmutzige Welt der Spaghettiwestern in der Luke wie in den Comic-Anfängen 1946 seinen virtuosen Umgang mit dem Revolver („schießt schneller als sein Schatten“) schon mal mit dem ein oder anderen finalen Rettungsschuss krönen darf. Nach diversen Schulmassakern frage ich mich zwar, warum man wohl nicht quarzen, dafür aber ballern darf, aber, hey, es ist Popcornkino.

    Freut Euch mit mir, hier ist der erste offizielle Trailer:

    Was für ein Popöchen.

    www.lucky-luke-le-film.com

  • Ich finde diese Werbung, indem ich die TITANIC, Nr. 10 aus dem Jahr 1981 schließe. Oh ja, wir haben viel CAMEL FILTERS geraucht damals. Nur die Musiker nicht, die rauchten CAMEL ohne Filter (und tun es bis heute). Warum rauchten wir CAMEL FILTERS? An der Werbung kann das eigentlich nicht gelegen haben, denke ich, indem ich die TITANIC mit der Anzeige weglege, auf der ein tumber rothaariger Schnauzbartträger offensichtlich auf Safari und im Jeep sitzend bedeutungsschwanger an seiner Kippe saugt. Lag’s vielleicht an der Schachtel? „In dem Muster des linken Vorderlaufs des Kamels von der Schachtel ist eine nackte Frau versteckt, siehst Du die?“ lallten wir uns (wie alle CAMEL-Raucher bis heute) zu später Stunde beim Absacker jedes Mal wieder an, und ließen die Packung rumgehen. Und dann gab’s noch einen Witz den ich vergessen habe und dessen Pointe damit zu tun hatte, dass sich jemand hinter den Pyramiden auf der Packungsrückseite versteckte. Heute versteckt er sich wahrscheinlich hinter dem Warnhinweis. Nein, an der Schachtel kann’s irgendwie auch nicht gelegen haben.

    An der Printwerbung jedenfalls lag der Erfolg von CAMEL FILTERS garantiert nicht. Komplett ironiefreie Werbung, hey, das ging doch gar nicht in der linksalternativen Goldgräberzeit der frühen 1980erjahre – zumal in der TITANIC! Wir waren immerhin die knospende Gründungszelle der ironischen Generation! Wir waren die Ahnen derjenigen, die gestern David Letterman parodierten und heute sich selbst als David Letterman. Wir waren die, deren Begriff von Anarchie durch die Kapriolen der Figur „Didi“ in „Nonstop Nonsens“ geprägt wurde – und die auch heute nicht viel weiter sind. Wir waren die, deren erste sexuelle Prägungen im Schritt ihrer Feincord-Schlaghosen hervorgerufen wurden durch die Schlitze im Kleid von Ingrid Steeger in Michael Pfleghars „Klimbim“ (und mit deren kurz im Slapstickzeitraffer entbößten Brüsten Peer Augustinski und Horst Jüssen nie etwas anderes anzufangen wußten, als hilflos mit den Augen zu rollen). Wir sind die, die auch heute noch den Bezahlporno von SKY (The Artist Formerly Known As PREMIERE) verschmähen, wenn sie die Möglichkeit haben, die nacke sechzehnjährige Nastassja Kinski im TATORT „Reifezeugnis“ zu sehen.

    Wir waren die, die heute den Gewinnern der zu beiden Seiten offenen Meisterschaft im Millionenscheffeln durch zynische Distanz inbrünstig von den Lippen lesen. Wir ignorieren inbrünstig die Welt um uns herum, solange sie sich bitteschön nicht ausschließlich allein um uns selbst dreht. Wir tun das sogar ohne jede Honorarforderung. Gestern war unser Motto „Dick und Doof“, heute sind wir die „Väter der Klamotte“ des Extrem-Heinrich-Heining: „Unter jedem Grabstein liegt eine Welt begraben“ – was also kümmert mich mein Nächster? Wir sind die, die den aussterbenden Showmastern, die wir dafür verteufeln, dass ihr Ethos preußischer war als das der Preussen, immer ähnlicher werden – und wollen es, im Gegensatz zu jenen, nicht wahrhaben.

    Klar also, dass es an der Werbung nicht gelegen haben kann, dass wir, wann immer uns die Zeit zum Selberdrehen fehlte, CAMEL FILTERS rauchten – die Zigaretten die stärker parfümiert waren als der gesamte Sannyasin-Puff von Herrn Bhagwan in Poona. Und dann diese Slogans: „Ich geh meilenweit für CAMEL FILTERS“ oder „Der Weg lohnt sich – CAMEL FILTERS“ das war nichts für uns; konfrontierte man uns mit derlei kernigem Schmu ohne die ironische Überhöhung durch die Stimme von Eddie Constantine, dann prusteten wir gleich los, dann dachten wir sofort an Dinge wie Loriots Sketch, in dem ein Lottogewinner fürs Fernsehen einen originellen Spruch aufsagen soll und sich vor Nervositätext verhaspelt, dass er in all seiner spießigen Ernsthaftigkeit verkündet, er eröffne qua Lottomillion demnächst mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal (sprich: „Boutique“ wie „Buhtikä“).

    „Der Weg lohnt sich“ – nicht mit uns, die intellektuelle Fallhöhe zu dem damals populären „No Future“ war einfach unüberwindbar. Was für ein Weg? Wohin? Helmut Schmidt winkte Anfang der 1980erjahre gerade amerikanische Pershingraketen ins Land durch, innerhalb der nächsten Jahre würden wir sowieso im nuklearen Holocaust verglühen, also warum sich bewegen, dude?

    Und es waren ja nicht nur die Slogans, der CAMEL-Mann selbst war für uns doch völlig indiskutabel: wir steckten in Latzhosen mit Sex-Pistols- und Anti-Atomkraft-Stickern und unsere Nickelbrillen beweinten den unlängst ermordeten John Lennon. Keiner von uns wollte als rotblonder Lone Ranger in Jeep und Khaki-Kluft pseudocool durch afrikanische Reservate gurken. Wir wollten Christiane F. zum Soundtrack von David Bowie am Berliner Bahnhof Zoo retten, mit ihr nach Marokko trampen, billiges Dope kaufen und auf der Rückreise vor Gibraltar die inhalierte Übelkeit übers Fährengeländer direkt ins Mittelmeer kotzen!

    Vielleicht war es der Gestus des CAMEL-Manns, der tatsächlich zu unseren Wünschen an ein erfülltes Leben passte: der CAMEL-Mann führte seine Zigarette martialisch-bogartesk zwischen Daumen und Zeigefinger – und nicht geziert zwischen Zeige- und Mittelfinger. Naja, und vielleicht war es doch auch ein wenig die Packung: eigentlich passen die Pyramiden, das Kamel, die Wüste und die Palmen auf der Packung wunderbar zu den letzten Zuckungen flowerpowerbewegter Reiseideale, die sich in unseren knopsenden Körpern und Seelen Bahn brachen. Mehr jedenfalls als das hyperventilierende HB-Männchen und unsere Verwandten im Pütt mit ihren Taubenschlägen und den rasselnden REVAL-Lungen.

    Was mich ganz persönlich angeht, so wurde ich mit einer CAMEL angefixt. Ich wurde nicht aus Neugier oder aus Genuss zum Raucher, ich rauchte die erste Zigarette, weil mir gesagt wurde, es sei die logische Konsequenz meines Handelns, die erste Zigarette zu rauchen, dargereicht von der besten Freundin, die Teil des Problems war; mir dienten sich nämlich die Frauen zeitlebens immer mehr als beste Freundinnen an denn als Geliebte und auch am Ende meiner reichlich abgefeierten Kneipentage war ich eher Restesäufer als Resteficker. Jeder Mann, der nicht die Balance zwischen Frauenverstehen und Balz findet, kennt das: Zu viel Balz und man wird von der Angebeteten nach ein, zwei One Night Stands freundlich aber bestimmt verstoßen, zu viel Verständnis und man wird noch bevor sie überhaupt an Petting denkt zum besten Feund erklärt und nach wenigen Tagen verzückt dem ersten One-Night-Stand-Idioten vorgestellt mit Worten wie: „Das ist mein bester Freund; keine Angst zwischen uns läuft nichts.“

    Ich hatte immer zu viel Verständnis – und war daher immer wieder der beste Freund. So auch 1979. Meine damalige beste Freundin bemerkte im Rahmen einer Fete (so nannten wir unsere Partys, sonst änderte sich nichts) meine aus der oben beschriebenen Situation erwachsene Frustration, und also beschloss sie: „Du bist jetzt in dem Alter, wo du mal eine Freundin brauchst. Wie wäre es denn mit der da drüben, die ist ganz schnuckelig, die heißt Susan, sieht süß aus und sie ist allein.“ – „Und sie riecht gut“, ergänzte ich in Gedanken. Mir wurde also geheißen doch mal in der Küche ein wenig mit ihr zu flirten, und ich tat das auch, aber irgendwie kam das Gespräch mit dem Dufterlebnis der Wahl nicht richtig in Gang, denn irgendwie erinnerte mich die Brille der Auserkorenen sehr an Juliane Werding, und schon hörte ich im Kopf ein Endlosschleife deren 1975er Hit „Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur du denkst“; so konnte ich kein Gespräch beginnen, denn, denn jedes Mal wenn mich die Wohlduftende anschaute, brach ich innerlich in lautes Gelächter aus – und ohne Gespräch gleich mit knutschen anzufangen, daran hinderte mich mein Balanceproblem: für pure Triebabfuhr reichte das mit dem gut riechen bei mir nicht, für mich fühlte es sich eben irgendwie schmutzig an, mit einem Mädchen auf Tuchfühlung zu gehen, mit dem ich vorher nicht wenigstens ein paar freundliche Worte gewechselt hatte – und das war wegen „wenn du denkst du denkst“ definitiv unmöglich.

    Ich kehrte also letztlich frustriert, weil unverrichteter Dinge auf den Balkon zur besten Freundin zurück. Wollte die mich beruhigen oder war sie einfach nur breit? Jedenfalls , sagte sie mir mit jovialem Unterton, das klägliche Scheitern gehöre bei Männern quasi dazu zum Verliebtsein, nur Frauen hätten in der Balz wirklich die freie Auswahl, und ich sei ab sofort eben einfach unglücklich verliebt, das sei ganz normal und werde durch „erstmal eine rauchen“ bekämpft. Sprach’s und zündete mir an ihrer Glut eine CAMEL an. Ich dachte: „Liebeskummer. Der Weg lohnt sich – CAMEL FILTERS.“ Ich sagte: „Hilft das?“ – „Ganz bestimmt“, beteuerte meine beste Freundin, „Kopf hoch, Alter – wird schon.“ Sie klopfte mir anerkennend auf die Schulter, verschwand mit ihrem aktuellen One-Night-Stand und ließ mich qualmend zurück.

    Mir wurde schwindelig und ganz heiß im Bauch, dann wurde mir auch ein bisschen schecht – nicht schlecht genug indes, um gleich wieder aufzuhören, also war ich seitdem ein Raucher – das heißt: wenn ich drauf und dran war mich zu verlieben, dann rauchte ich schon mal vorsorglich drei Schachteln CAMEL und sprach die Angebetete gar nicht erst an. Kamel oder nicht, das ist halt weder eine Frage der Schachtel noch des Slogans, letztlich – das denk’ ich jetzt, und jetzt hab’ ich’s. Weiter mit Musik.

  • Vor Jahren gaukelte mir eine Frau im Chat vor sie sei, bevor sie nunmehr mit dem greisen Peter O’Toole das Bett teile, mit Patrick Stewart zusammen gewesen. Heute twittere ich mit Brent Spiner. Die Zeiten ändern sich.

  • Großer TV-Moment bei Jimmy Kimmel

    Und am 5. April 2063 landen die Vulkanier nicht auf der Erde, aber William Shatner​ wird immer noch da sein und als James Kirk in einer Talkshow fragen: „Hell, what happened to Jimmy Kimmel?“ und der Late Night Host wird antworten „He’s dead, Jim.“


  • Tequilawodkalicor43sourrhubarbebitters. Stirred not shaken.

  • „Unfug denkt man sich nicht aus, Unfug wird es von ganz allein.“ Astrid Lindgren, „Michel aus Lönneberga“

  • Ich bin in einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links.Werner Schneyder

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