Naja, das Problem ist ein altes und das hat damit zu tun, dass Berlin in dem Sinne wirklich nie diese Bürgerschaftseigenschaften und bürgerlichen Eigenschaften, Tradition des Citoyens wirklich verinnerlicht hat. Das ist ein Drama, das man also schon seit vielen Jahren verfolgen kann, aber interessanterweise ist der schon altbekannte, vor allem auch übrigens Westberliner Provinzialismus, eigentlich durch die Tatsache des Berlinumzuges, wo man ja hoffen konnte, es sind eine Unzahl an Menschen in Berlin, die politisch tätig sind. Die ganze Regierungsabteilung ist gewissermaßen hier, aber der Provinzialismus ist nicht kleiner geworden.
Im Gegenteil, diese Mittelmäßigkeit, auch die Form des Verbockten, die Bürgermeister, in dem Falle ganz Kai Wegener, exemplarisch zum Ausdruck, sie ist nicht kleiner geworden. Insofern muss man sagen, es fehlt hier schlichtweg an Engagement für diese Stadt und das hat damit zu tun, dass Berlin so groß ist, traditionell und so zerfällt in seine kleinen Stadtteile, dass so etwas wie bürgerliches Empfinden, Bereitschaft sich dafür einsetzen, eigentlich in nur geringem Maße vorhanden ist. Das ist ein Berlin Spezifikum, aber es ist natürlich auch ein Stück weit aussagekräftig für die gesamte Politik in Deutschland, bei der wir immer mehr erleben müssen, dass die Stärke der Rechtsradikalen, überhaupt der Populisten an den Rändern, auch dem Umstand geschuldet ist, dass das Engagement in der Mitte viel zu schwach geworden ist.
DLF: Das war der Tag 10.07.2026 – Berliner CDU „Wegner hat die Bevölkerung über Monate belogen“
… in der Zeit, als Männer noch richtige Männer, Frauen noch richtige Frauen und kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri noch richtige kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri waren … (Douglas Adams: „Per Anhalter durch die Galaxis“)
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Marcel Mangel war besser bekannt als Marcel Marceau.
Er ist, auch wenn ihn kaum noch jemand kennt, der Wegbereiter der physischen Comedy von heute.
Wenn sie stummes Slapstickspiel machten, dann ging das immer auf Marceau zurück – von Jango Edwards bis Umbilical Brothers, über David Shiner, Pic, René Bazinet und, und, und. Marcel Marceau hatte die Pantomime des 19. Jahrhunderts im 20. Jahrhundert als Rock’n’Roll neu erfunden. Das war sie schon vorher, im erwähnten 19. Jahrhundert im Théâtre des Funambules, Jean-Louis Barrault spielte den Protagonisten dieser Zeit in Marcel Carnés Kinder des Olymp. Aber von Mitte der 1860-er Jahre bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die Pantomime komplett aus der Theaterwelt verschwunden. Bis Marcel Marceau kam.
arte.tv widmet Marcel Marceau ein schönes Portrait, bis zum 28. März in der arte-Mediathek zu sehen.
Wer war der Kerl? Er brachte Michael Jackson den Moonwalk bei. Mit Jane Fonda spielte er in Barbarella. In Mel Brooks’ Silent Movie war der Marceau der Einzige, der ein Wort sagte: „Non!“, rief er aus, als Brooks ihn anrief, ob er in einem Stummfilm mitspielen wolle. In den 1960-ern bis in die späten 1980-er war er ein Popstar. Seine Pantomimen ließen die Leute international ausrasten wie sonst Sinatra, Elvis oder die Beatles. 1982 sah ich seine beiden Shows in Schauspielhaus Düsseldorf hintereinander. Sein Illusionstheater war perfekt.
Abgesehen vom theatralischen Effekt – dem Gehen auf der Stelle, dem Abklatschen der Wand, dem Ziehen des unsichtbaren Seils – sind seine Sketche heute nur schwer zugänglich; Marceau grimassiert viel, sein Spiel ist voller von Imitation, er karikiert, versetzt sich nicht hinein in seine Figuren. Trotzdem ist er einzigartig, denn ihm gelingt etwas völlig Beklopptes: Er emotionalisiert das Oberflächliche. Sein Spiel ist oberflächlich, aber er haucht dieser Oberflächlichkeit Seele ein. Damit erschloss er sich die Seelen eines Millionenpublikums rund um die Welt.
Kennt man die Geschichte hinter dem weißen Gesicht des Pantomimen bekommt man ein Gefühl davon, wie das entsteht. Diese Geschichte erzählen seine Familie und Wegbegleiter in einem berührenden Feature von Maurizius Staerkle Drux, selbst Sohn eines Pantomimen. Originalaufnahmen der Sketche Marceaus aus den 1950-ern und 1960-ern wurden für den Film aufwendig restauriert und es gelingt so das Sympathischste: sie holen die Erinnerung an den 2007 gestorbenen Marceau einfühlsam, aber ohne Pathos in die Gegenwart zurück.
Marcel Marceau wäre am heutigen 22. März 100 Jahre alt geworden.
Das fucking Netz, einmal für Armee und Wissenschaft gegründet, ist zur Leni Riefenstahl der Welt geworden. Ein Ort der Verblödung, Verhetzung, der Manipulation und der Frustration. Was dagegen hilft sind nur Aktionen im 1.0-Dasein. Angebote, die zu Bewegungen werden können, als Gegengewicht zu aus dem Netz in die Straßen verlagertem Hass.Sibylle Berg
… und wer Mädels „Dreamy Paprika“ vorsetzt, dazu noch in Marshmallow-Rosa geschrieben, der kennt Mädels schlecht. Abgesehen davon fältt es mir schwer die Traumwelt von Paprika vorzustellen. Wobei es ein großartiger Schlagertitel wäre: „Wenn Schoten träumen …“ Analyze my Gemüse, Mr. Freud!
Dass MAD-Magazin-Comic-Gott Don Martin seine Karriere unter anderem als Gestalter von Schallplattencovern begonnen hatte – zum Beispiel für Miles Davis! – das finde ich so skurril, wie es mir völlig unbekannt war. Diese und andere Einsichten in Leben und Schaffen eines völlig zu Unrecht vergessenen Slapstick-Solitärs der Comicgeschichte verschafft ein Artikel im ROLLING STONE, hier:
Hier auch noch etwas animierter Blödsinn vom Meister:
« Kaï kaï kaï! » (Rantanplan)
Freude! Lucky Luke ist wieder da! Um zu verstehen, warum das ein kleines Wunder ist, muss ich einen Absatz lang ausholen.
Absatz.
Mit den knalligen Kostümfarben der Protagonisten haben die Verfilmer von Comics seit jeher Probleme, weil sie auf der Kinoleinwand schlicht albern wirken. Besonders schwer ist die Kombination von Blau, Rot und Gelb, der Grundfarben, die das Outfit sowohl von Superman als auch von Lucky Luke ausmachen. Beide Helden mussten so albern rumlaufen, weil die bunten Comicbeilagen der Zeitungen, in denen sie vor sechzig, siebzig Jahren beheimatet waren, Farben aus Kostengründen meist nur monochrom druckten. Das ging in den Zeitungen, das ging gar nicht im Kino. So wirkt Superman in allen Verfilmungen albern und auch vom Comicklassiker „Lucky Luke“ gab es bisher nur zwei „Thema verfehlt“-Realverfilmungen.
1991 schlüpfte Spaghettiwestern-Ikone Mario Girotti alias Terence Hill in die Rolle des Lonesome Riders – lieferte aber nur eine langatmige Parodie seiner „Nobody“-Filme. 2004 schuf Regisseur Philippe Haïm dem französischen Comedy-Duo Eric & Ramzy für ihre platten Gags eine als Gelddruckmaschine geplante Kinoplattform, die der deutsche Verleih vergeblich als „Lucky Luke gegen die Daltons“ auf den Markt warf – was zudem ein Mogeltitel war, denn tatsächlich kam Lucky Luke in dem dreisten Blödelstreifen nur sechs Minuten vor und die Rolle wurde zudem vom als Quotengermanen gewohnt fehlbesetzten Til Schweiger vertraut zuverlässig versemmelt. Nach so vielen Sockenschüssen schien Lucky Luke fürs Kino gestorben zu sein. Bis jetzt: Gott sei Dank bekommt der Comic-Klassiker von Morris und René Goscinny („Asterix und Obelix“) jetzt endlich eine würdige Kinohommage: Lucky Luke kommt im Herbst 2009 zum dritten Mal als Realverfilmung ins Kino.
Absatz Ende.
Regisseur James Huth () hat die neuste Adaption gerade abgedreht – in der Hauptrolle: der französische Shootingstar Jean Dujardin (, demnächst auch in Deutschland auf DVD), dem die Rolle des Comic-Cowboys auf den Leib geschneidert scheint. Kostüm und Maske haben ganze Arbeit geleistet. Das Comic-Kostüm bleibt, anders als bei Terence Hill, erhalten – wirkt aber trotz der Tatsache, dass es in den Grundfarben Blau, Gelb und Rot gehalten ist authentisch, da ordentlich angeschmuddelt (im Gegensatz zum Til-Schweiger-Kostüm, das so gelackt sauber war, als käme es direkt aus der Karnevalsabteilung eines Kölner Kaufhauses). Selbst Lucky Lukes Leningrad-Cowboys-Gedächtnis-Tolle steht Jean Dujardin erschreckend glaubwürdig zu Gesicht.
Inhaltlich, das lässt der erste Trailer erahnen, bekommen wir es neben einer authentischen Comicverfilmung auch mit einer genussvollen Genreparodie zu tun. So nuckelt der Titelheld zwar weiter an Strohhalm statt Selbstgedrehter (das Kettenrauchen hatten ihm Zeichner und Autor im Zuge einer französischen Nichtraucherkampagne schon 1983 abgewöhnt), aber die Welt, in der er sich bewegt ist eindeutig die schmutzige Welt der Spaghettiwestern in der Luke wie in den Comic-Anfängen 1946 seinen virtuosen Umgang mit dem Revolver („schießt schneller als sein Schatten“) schon mal mit dem ein oder anderen finalen Rettungsschuss krönen darf. Nach diversen Schulmassakern frage ich mich zwar, warum man wohl nicht quarzen, dafür aber ballern darf, aber, hey, es ist Popcornkino.
Freut Euch mit mir, hier ist der erste offizielle Trailer:
Was für ein Popöchen.
Ich erwarte nichts. Wenn du was erwartest im Leben, bis du sowieso schon angeschissen. Rolf Zacher
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
