- [Kurt Vonnegut, Mann ohne Land (dt. v. Harry Rowohlt), Pendo Verlag, Zürich 2006.]
In Hamburg ermittelt eine Marketingagentur mittels des „Blogger-Relevanzindex“ die „relevantesten Bloggerinnen Deutschlands“. Die zwanzig Namen sagen mir nichts (vor zwanzig Jahren wäre das anders gewesen), also schau ich mir die Themen dieser Elite an, die, so die Agentur, „überdurchschnittlich gut informiert“ ist, „öfter den Leitmilieus angehört“ und „eine Ansammlung wichtiger Multiplikatoren darstellt“. Hauptthemen der relevantesten Bloggerinnen Deutschlands sind:
Lifestyle, Mode, Reise.
Ich sehe Berichte von Abenteuerreisen durch Shoppingmalls mit Abstechern in Shishabars und weiß, warum ich euch nicht kenne, relevanteste Bloggerinnen Deutschlands. Während sich Eure Zungen in den schamhaarartigen Bärten juveniler Toyboys verlieren, werde ich mit denen anstoßen, die schon immer zu cool waren, um sich der Relevanz von Shoppingmalls oder Shishabars zu ergeben.
Weiter mit Musik.
www.faktenkontor.de/blogger-relevanzindex/das-sind-die-relevantesten-bloggerinnen-deutschlands/
„Wenn ich Sie mir so anguck, könnt ich mir vorstellen, dat die Fantasie von so mancher Dame ganz schön am Kochen fängt!“Adolf Tegtmeier (Jürgen von Manger)
Hach. Je länger ich lebe desto mehr muss ich lachen, wenn knapp zwanzigjährige mit ernster Mine Sätze sagen, die anfangen mit „Als ich jung war…“ Drei Beispiele. Einer ist geliftet. Einer wird mit dem Alter besser. Einer ist tot und war irgendwie auch nie jung, passte also eigentlich gar nicht in die Reihe, könnte man nicht sagen: alle drei haben den Blues. Los gehts mit dem Mann mit der Pudelfrisur.
ALL BY MYSELF, written by: Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (1873-1943) & Eric Carmen (1949-*). Performed by Eric Carmen (1975). Appears on: Eric Carmen (1975), All By Myself (1977), The Best of Eric Carmen (1988, 1999), Ringo Starr & His All Starr Band – Anthology (2003), Absolute 70’s Legends (2007).
Auch mal jung war Bluesman Eric Burdon, der sein „When I Was Young“ ein Jahrzehnt vor Eric Carmen auf den Markt warf und damit den Trend zur präkoxen Altersweisheit vorwegnahm: Burdon war gerade mal 25, als er sein Testament vertonte, das sah damals so aus:
Richtig gut wird der Song aber bei Burdon erst, indem dessen Körper und Seele in den Song hineinwachsen. Die Version auf der 2005er Scheibe „Athens Traffic Live“ ist outstanding. Dieses Video stammt aus dieser Zeit:
Wir wachsen alle in unsere Songs rein. So oder so. Eric Carmen hat mittlerweile die Pudelperücke abgelegt, sich ein paarmal liften lassen und tritt im Rockstar-Streichelzoo von Ringo Starrs „All Starr Band“ auf. Och, Männo. Schade.
Prost, Eric.
À propos. Hier die ultimative Gerstensafthymne. Unsere Nummer eins, bitte immer wiederwählen: Jürgen von Manger. Bitte anschnallen. Und nochmal Prost:
Aus der beliebten Reihe „Bekloppte Instrumente“ heute: Das Mellotron. Das Ding war ursprünglich ein Orgel-Emulator. Um 1950 erkannte Henry Chamberlin, dass er Orgelklänge mithilfe von Magnetbändern sampeln konnte: Jede Taste in seiner Erfindung löst eine Aufnahme einer Orgel aus, die ebendiese Note spielt. Dann wurden auch andere Instrumente emuliert: Celli, Flöten … buchstäblich alles, was man aufnehmen kann. Das Mellotron war im Grunde das erste Sampling-Keyboard. Bekloppter als das Mellotron sind nur die Leute, die es hier präsentieren:
Aha, aha: Undenkbar ohne Mellotron: Strawberry Fields, Stairway to Heaven, Space Oddity …
Gottschalk ging nicht als ein wohlwollender, für den erfolgreichen gemeinsamen Lebensweg dankbarer Senior. Gottschalk ging giftig. Ein Grund sei, „dass ich – und das muss ich wirklich sagen – immer im Fernsehen das gesagt habe, was ich zu Hause auch gesagt habe. Inzwischen rede ich zu Hause anders als im Fernsehen und das ist keine dolle Entwicklung.“ tagesspiegel.de
Gottschalks Nörgelei ist vor allem hypokritisch, wenn einem klar ist, dass man in den öffentlich-rechtlichen Medien noch nie ohne endlose Redaktionssitzungen irgendwas sagen konnte und dass er alles, was er sagt, von einer Pappe abliest, die ihm sein Chefautor geschrieben hat.
Bar jeder Vernunft, Berlin. Irgendwo da vorne wird gleich einer ein Programm spielen.
Irgendwo rechts sitzt der große Säufer und Schauspieler Otto Sander, den in Berlin schon lange keiner mehr fotografiert, der einen Krebs überleben mußte und der jetzt langsamer und gebeugt geht und der mit seiner Frau da ist und nicht raucht und der Häppchen isst und Rotwein trinkt und der guckt wie ein angeschossenes Reh. Waidwund, aber in seinem Revier. Als sein Blick meinen trifft, hat er dieses erschreckte „muss ich den kennen“ in den müden Augen. Nee, lass, mußt Du nicht. Zu kurz, Otto, zu lange her. Ich nehme meinen Blick zurück.
1980, fünf Jahre vor dem „Himmel über Berlin“, drehten er und Bruno Ganz eine Dokumentation die über die von ihnen bewunderten Schauspielkollegen Curt Bois und Bernhard Minetti. Damit man sie nicht vergisst, die beiden Alten. Es wurde ein Film über Katz und Maus. Anrührend und brutal.
Wer, bitte, dreht jetzt ganz schnell einen Film über Otto Sander. So wie in dem anderen Curt Bois der Star war, obwohl Minetti zu dem Zeitpunkt berühmt war. Und beides sind Namen zu denen heute schon lange niemand die Geschichten mehr kennt. Und das trotz „Gedächtnis“. Schnick, Schnack, Schnuck.
Bar jeder Vernunft, Berlin. Irgendwo da vorne wird gleich einer ein Programm spielen.
What was sent to the soldier’s wife / From the far-off Russian land? / From Russia he sent her a widow’s veil / For her dead to bewail in her widow’s veilBrecht/Weill: Ballade vom Weib und dem Soldaten
[amazon box="B086Z7X3PV" /]Ich hab‘ die erste Forêt Noire meines Lebens für meine Familie gebaut, weil sie gerade Trost braucht. Letzlich aber ist genug da für einen Salut auf die erste rotgrüne Regierung mit grünem MP in der Geschichte der Republik. Und wenn er konservativer ist als die CDU? Schwamm drüber. Dafür ist Heiner Geissler linker als Helmut Schmidt. Mit der Torte könnte man übrigens problemlos anstoßen. Sie enthält locker einen halben Liter Kirschwasser.
ZEITmagazin: Wie ist er eigentlich gestorben?
Aria Ungerer: Ganz plötzlich, ich habe ihn gefunden. Er hatte sein Notizbuch auf der einen Seite und ein Buch auf der anderen Seite. Und er lächelte. Er hatte immer davon geträumt, genau so zu sterben. Das tröstet mich. Aria Ungerer im SZ-Interview
Herzlichen Glückwunsch, Tomi Ungerer, wo immer Du heute bist und in doppelter Ewigkeit feierst, denn Dein erster Geburtstag im Nichts ist Dein 88. Sláinte! À la tienne! Prost!
https://twitter.com/svenk/status/973772352268963841
https://twitter.com/svenk/status/973813687055249408
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00

