Groucho Marx mit 85. Foto von Richard Avedon.
Reines Theater, der Mensch an sich soll auf die Bühne kommen. Hilflos der Versuch, diese Neutralität herzustellen: Die Schauspieler um Étienne Decroux betreten die Bühne unbekleidet – bis auf eine Windel und einem Nylonstrumpf auf dem Kopf), wie autistisch-magersüchtige, manieristisch gestikulierende Sumoringer ohne Gegner. Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Genau so können Schauspieler nicht nicht Individuen sein. Ein Prinzip, an dessen Vermittlung der englische Philosoph Graham Chapman schon 1979 verzweifelte.
Let us offer prayers for all souls leaving as well as those staying. (LeVar Burton)
Michael Jackson ist tot. Die Welt hat eine Ikone im Bereich der Bier- und Whiskyverkostung und den Autor verschiedener Standardwerke zum Thema verloren. 1994 erhielt er die Glenfiddich Trophy. Jackson hatte im englischen Sprachraum großen Einfluss auf die Kategorisierung von Biersorten, vor allem sein 1977 erschienenes Buch „The World Guide to Beer“ setzte hier neue Standards. Sein Spitzname war beerhunter. Michael Jackson lebt weiter in seinen Werken wie „Complete Guide to Single Malt Scotch“ oder „The World Guide to Beer“. Michael Jackson starb am 30. August 2007. Heben wir unser Glas auf ihn.
Ist es also das Gleiche, ob er eine Beerdigung plant oder den Rosenmontagszug? »Im Prinzip ja.«Christoph Kuckelkorn
Markenbotschafter sind Leute, die über ihre Unterhosen schreiben und darauf sehr stolz sind.
Was machen wir nur immer mit der Sehnsucht, wenn wir uns endlich jeden Tag sehen? Sagen wir auch diesmal, und diesmal für immer: diesmal wird alles ganz anders. Anders gesagt: je t’aime.
Wo wir dabei sind…
Und, nur so, um diesen Eintrag dramatisch zu beenden:
Aus „Die schöne Geschichte von der hässlichen Kröte und andere Gemeinheiten“, LAPPAN, Oldenburg, 1999. Original: „Les chroniques de la haine ordinaire“, Éditions du Seuil, Paris, 1987. Deutsch von Sven Knoch, Lektorat: Peter Baumann.
16. Juni 1986
Setzen wir einmal voraus, die Norm definiere denjenigen als menschlich, so er nur zwei Arme und zwei Beine sein eigen nennt, dann lassen es die in diesem Sinne normalen Menschen immer wieder senderübergreifend über sich ergehen, wie schwitzende Horden in kurzen Hosen auf Rasenflächen so entwürdigende wie klobige Verrenkungen ausführen, im Streit um die lächerliche Ehre, Meister des Ballspiels mit dem Fuße zu werden.
Hier ist der Unterschied zwischen dem Affen und dem Menschen: der Erstgenannte hat entweder zu viele Arme, oder zu wenig Beine, um sich zum Fußballspielen herabzulassen.
Fußball. Welche Sportart ist schwachsinniger, plumper und weniger graziös als der Fußball? Welche Art von Harmonie und Eleganz soll ein primär ästhetisch empfindender Mensch im unbeholfenen Herumgerenne von zweiundzwanzig behaarten Vollidioten finden, die einen aufgeblasenen Ledersack wie einen Haufen Scheiße durch die Gegend treten, und die dabei das ordinäre Röcheln verendender Ochsen hervorbringen?
Welcher notgeile Straßenköter, welcher noch so räudige, verlauste Streuner würde es wagen öffentlich seiner Libido Ausdruck zu verleihen so wie Fußballer es tun, wenn sie im Achterpack unter wildem Schulterklopfen mit ihren fettfeuchten Pranken übereinander herfallen, begleitet von affigen Kehllauten, die jeden Dorfrocker vor Neid erblassen lassen? Welcher noch so abgebrühte Schläger, welches noch so hirnlose Monster aus einer dieser Weltuntergangssekten würde mit so viel Freude über Leichen gehen, wie wir es vor Jahren im belgischen Heyselstadion live miterleben durften, als alle mal wieder vor Freude ausgeflippten und es dabei schließlich auf 40 Tote brachten – nur weil das Ballaballa nicht dahin gekickt wurde, wo es ihnen lieb gewesen wäre?
Fußballer – ich hasse Euch. Nur einmal habt ihr mich vom Hocker gehauen, damals bei der Weltmeisterschaft in Mexiko. Als ihr von den aztekischen Fritten den mexikanischen Dünnschiss bekommen hattet. Ach, wie hätte ich mich abgerollt, wenn die Amöben die Kicker noch bis zum Ende des Turniers ins gesundheitliche Abseits manövriert hätten, aber das hat der liebe Gott ja nicht gewollt. Was mich nicht besonders erstaunt. Denn auch Gott ist einer von euch. Er ist wie ihr, Fußballer. überall, zu jeder Zeit, und was man auch tut, wo man sich auch verkriecht, man entkommt ihm nicht.
Schon als ich klein war, dachte ich lange, ich sei irgendwie anomal, weil ich Fußball schon damals nicht abkonnte. Ich lehnte es hartnäckig ab, Fußball zu spielen, ob in der Schule oder auf der Straße. Also riefen sie mir nach: «He, da kommt unser Mädchen!» oder «Na, wieder krank?» So sehr ist war die Idee der Abnormität fest verbunden mit der des Nichtfußballers.
Aber ich zeig’s Euch. Ich war zum Beispiel nie krank. Und was die weiblichen Züge angeht, mit denen ihr mich aufgezogen habt, sie sind nach wie vor ein Teil von mir, und sie bringen mich dazu, dass ich, wenn ich läufig bin, die Gesellschaft von Frauen suche. Und zwar Eure inbegriffen. Ihr müsst nicht glauben, dass ich davor zurückschrecke, mir in aller Ruhe mit ihnen die Zeit zu vertreiben, während ihr in den Stadien herumzuckt.
Ätsch, bätsch.
Ingmar Bergman habe ich einmal getroffen, im 1987 im Aufzug des Stockholmer Staatstheaters, wo er allgegenwärtig war, wie alle großen alten Männer, zu denen das Ensemble aufschaut, und die lächelnd zurückschauen und alle freundlich ansprechen und ihnen die Hand auf die Schulter legen wie Päpste oder der Dalai Lama. Ich sah ihn da mit seinem Stock und erinnerte mich daran, gelesen zu haben, dass er sich in Kürze ein neues Hüftgelenk einbauen lassen wolle. Was es wohl in der Kantine gäbe, fragte er lächelnd. „Wahrscheinlich Köttbullar, wie jeden Donnerstag“, sagte ich. „Wahrscheinlich“, sagte er und im Gehen „Schönen Tag.“ Und ich: „Ja. Tach.“
Kaum ist John LeCarré unter der Erde, lässt die Qualität des internationalen Spionageromans enorm nach: „Sarensemal, warum wollten Sie mich eigentlich vergiften?“ – „Och. Ja, datt is ne lange Jeschichte. Wachtensemal, ich hol mir schnell ein Käffken und dann erzähl ich Ihnen das.“
http://youtu.be/qcgl9Sa6QB4
Dieses holländische Chanson umschreibt sehr schön meine innere Ausgeglichenheit.
Die Dreharbeiten [zu Mozarts „Zauberflöte“] erwiesen sich als unproblematisch. So schreibt Bergman selbst in der Zeitschrift „Bilder“: „Nie verlief eine Inszenierung so mühelos. Die Lösungen standen Schlange, boten sich von selbst an.“www.ingmarbergman.se
Eine Mischung aus Errol Flynn und Steve Martin. Kurz: ich würde ihm nie einen Gebrauchtwagen abkaufen. Aber man kann ja die Augen zumachen. Denn seine 1989er Interpretation von Bill Withers′ Song „Ain’t No Sunshine“ ist großartig. Sting wird begleitet von Bill Frisell (Gitarre), Fareed Haque (Gitarre), David Sanborn (Saxofon), Hank Roberts (Cello) und Don Alias (Percussion).
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
