Fragte mich gerade ernsthaft, wer diese Louise Armstrong ist, von der Hans Rempel in der Tonart Lounge die ganze Zeit spricht. Muss eine Schwester von Charlene Parker sein. Ach, dieser Jatz.
Das Ding mit der Komischen Oper Berlin ist: Sie machen alles mit einer Hingabe, der sich zu entziehen unmöglich scheint. Das großartigste Opernhaus Berlins.
https://www.facebook.com/komischeoperberlin/videos/10155888722668771/
In this world of ordinary people
Extraordinary people
I’m glad there is youIn this world of overrated pleasures
Of underrated treasures
I’m so glad there is youI live to love, I love to live with you beside me
This role so new, I’ll muddle through with you to guide meIn this world where many, many play at love
And hardly any stay in love
I’m glad there is youMore than ever, I’m glad there is you
„I’m So Glad There Is You (In This World of Ordinary People)“
Musik: Jimmy Dorsey, Text: Paul Madeira. Decca 18799, 1941.Berlin, Theater am Schiffbauer Damm, 20. Januar 2012
Danke für die Einladung. Aber irgendwie, ich weiß nicht. Das war jetzt ja nicht richtig ein Stück.
Wie jetzt?
Eher eine Szene. Eine lange Szene war es. Es ist ja nicht wirklich was passiert.
Ja, nicht wirklich.
Es ist eigentlich nichts passiert.
Nicht wirklich, nein.
Nur rumgesessen sind die. Und gelaufen. Und wieder hingesetzt haben sie sich. Dabei erwartet man doch, dass was passiert. In so einem Theater. Für das Geld. Aber eigentlich haben die nur geredet die ganze Zeit.
Ja, viel. Nur.
Und man erwartet ja was besonders in so einem Theater. Klassiker. War das ein Klassiker?
Doch schon, Tschechoff ist ein Klassiker, doch schon.
Ja,ist er … Oh. Ah, ja. Ich weiß nicht. Was ist an dem Stück klassisch. Naja. Hast Du die Schauspieler verstanden? Einer war ja sehr alt. Und einen anderen, den habe ich nur ganz schwer verstanden. Hast Du ihn verstanden? Er sprach ja sehr leise. Und die Bühne war auch irgendwie leer. Also nochmal würde ich nicht gehen. In so einen Tschechoff.
Wurde auch Zeit. Was hab‘ ich da eigentlich auf dem Kopf?
Wer jetzt angesichts der Schlägerclowns sagt, er habe es immer gesagt, vor Clowns müsse man Angst haben, dem sag ich mal so: es gibt halt nicht nur böse, sondern einfach vor allem mal sehr, sehr viele schlechte Clowns.
Aber niemand, beispielsweise, hatte Angst vor Charlie Chaplin oder Buster Keaton, vor Laurel und Hardy oder Harold Lloyd. Allesamt Clowns. Kinoclowns, ja, aber immer noch exemplarisch für die Meister ihrer Zunft: Virtuosen der Groteske und keine Schminkgruppenanimateure, wie sie unsere Kindergärten und Straßenfeste kontaminieren.
Viele Leute, die zu schlecht für Schauspieler oder Comedian sind, glauben, Clown wäre die Alternative oder sie tragen als schlechte Clownslehrer zur Verbreitung des geschminkten Dilettantismus bei.
Clown ist kein leichter Beruf. Im Gegenteil, er ist einer der schwersten. Drama kann man (zur Not) noch vortäuschen, denn niemand würde zugeben, ein Theaterstück nicht verstanden zu haben. Aber einen Clown, der niemand zum Lachen bringt, redet niemand weg. Clown ist schwerer als Comedian und im Bezug zur Schauspielerzunft eines der schwersten Rollenfächer, insbesondere des Improvisationsschauspielers. Clowns helfen. Sie helfen auch richtig in Krankenhäusern: jemand wie Howard Buten („Buffo“) haben in der Autismustherapie Umwerfendes geleistet, Dinge die kein Psychotherapeut sich hätte ausdenken können und Bekloppte wie David Shiner, Peter Shub, Avner Eisenberg oder Jango Edwards (allerdings der sehr frühe aus den 1970erjahren) haben der verstockten Ökobewegung den dogmatischen Stock aus dem Hintern gezogen und gezeigt, dass man auch ohne zu kiffen mal so richtig ablachen kann. Und wo heute dem absurden Theater die Verspieltheit von Samuel Beckett ungeheuer abgeht, erfinden Truppen wie das St. Petersburger Theater Licedei mit Stücken wie „Semianyki“ das Genre neu.
Wir brauchen keinen neuen Feldzug gegen eine Kunstform wir müssen nur weiter den Dilettanten als das behandeln, was er ist: schlecht. Mit oder ohne Kostüm, Sendung oder Theater vernachlässigenswert. Bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.
Vom Glück wegzulaufen vor lauter Angst dass es wegläuft, dass das Himmelblau jäh umschlagt ins Grau in Grau… Hör doch auf, Themawechsel. Vorm Glück wegzulaufen vor lauter Angst dass es wegläuft, sich zu sagen, dass over the rainbow immer noch ein Himmel wartet, der höher ist als above, wo die Götter und der Himmel strahlender sind… Selbst wenn alles scheiße aussieht, selbst wenn uns das Herz blutet und verbrennt – was ist das denn, vor dem Glück wegzulaufen vor lauter Angst dass es wegläuft, abzuhauen wie eine Maus der Bettnische, von der man nur noch kurz die rosa Schwanzspitze und die fiebrigen Augen sieht? Vorm Glück wegzulaufen aus lauter Angst dass es wegläuft, immer wieder zu brüllen „rette sich wer kann“, überzeugt dass es letztendlich nur Unglück gibt? Vorm Glück wegzulaufen vor lauter Angst dass es wegläuft… Sag mir, dass Du mich noch liebst, wenn Du es bringst. Wie froh wäre ich, fändest du was Besseres als vorm Glück wegzulaufen vor lauter Angst dass es dir wegläuft, dir zu sagen, dass over the rainbow immer noch ein Himmel wartet, höher als above, wo die Götter und der Himmel noch strahlender sind.
[ Serge Gainsbourg, « Fuir le bonheur », Deutsch von Sven K. ]Musik ohne Text von Alex:
Wenn Sie stark genug sind für Jane Birkin, die stark genug war, diesen Text ihres Lovers zu singen, klicken Sie HIER!
Kurz darauf schickte Gainbourg Jane Birkin übrigens tatsächlich in die Wüste, nicht ohne ihr ein Lied zu widmen: « Je suis venu te dire que je m’en vais » – „Ich bin gekommen um dir zu sagen, dass ich geh“ und es gibt sogar ein Musikvideo mit ihr und ihm, wo sie an einem Kniepentisch sitzen und das sie durchweint, während er Kette raucht und diesen seinen Text absondert. HIER die Live-Version von Gainsbourg, die später aufgenommen wurde und wo ich versucht bin, mich zu fragen: warum bist du vor deinem Glück weggelaufen? Vielleicht hat es mit dem Künstlerleben zu tun, wie es Léo Ferré HIER beschreibt.
Es stellt sich heraus, dass Truman zwar die Flucht aus dem Studio gelungen ist, dass im weiteren Leben zwar die Welt echt, alle Menschen um ihn herum indes weiterhin Schauspieler sind. Nur wo sind die Kameras? Wer führt diesmal Regie? Für wen wird produziert? Gibt es irgendwo auf der Welt Menschen, deren Drehbuch nicht schon geschrieben ist?
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
