Mathias Richling war von Anfang an nicht nur hysterisch und laut, sondern auch der Eitelste unter den ARD-Scheibenwischern. Also kam das hier nicht wirklich überraschend:
Man kann nachvollziehen, dass es ihm übel aufstößt wenn sich Platzhirsch Hildebrandt kurz vom Altenteil zurückmeldet, um ihm den Namen der Sendung unter dem hyperventilierenden Arsch wegzuziehen – wo Richling gerade endlich der alleinige Hausherr im Satireflaggschiff des ersten deutschen Fernsehfunks geworden ist. Dass und wie Richling aber jetzt auf Hildebrandt rumhackt lässt ihn, also Richling, wirken wie die Elke Heidenreich der ARD. Ganz ohne Perücke und falsche Titten. Humor-Fundamentalismus! Sozenkabarett! Was fürchtet er denn als nächstes? Dass Hildebrandt den (sic!) „Satire Gipfel“ mit Sprengstoffgürtel entert und sich im Namen der SPD in die Luft sprengt? Ganz peinliche Nummer: hier im Spiegel, hier im Focus, hier in der Main-Post.
Es wäre witzig, wäre es nicht so traurig: unsere TV-Landschaft demaskiert sich mehr und mehr als Jahrmarkt der Eitelkeiten – aber ironischerweise nicht auf den vielgescholtenen Privatkanälen sondern ausgerechnet im öffentlich-rechtlichen Puff und dort nicht im Flachwasser von Volksmusik und Seifenopern sondern in den hochnoblen Sparten Satire und Literatur. Dem Scheibenwischer wäre das eine Conférence wert gewesen.
Why don’t you just make it a song about paranoia?
Andy WarholGreat idea!
Velvet UndergroundDavid Gilmour hat sein Studio in einem Hausboot. Das Hausboot gehörte vor einem Jahrhundert Fred Karno. David Gilmour ist der Gitarrist von Pink Floyd, Fred Karno war der Agent von Charlie Chaplin und Stan Laurel. Charlie Chaplin liebte Mädchen unter zwanzig und war ansonsten sehr lustig. Stan Laurel war der Dünne von Dick und Doof. Pink Floyd war die Band von Syd Barrett, die er mitgegründet hatte, und die ihn gefeuert hatte, nachdem er im dritten Jahr der Bandexistenz auf einem Drogentrip hängen geblieben war, und der später von seiner Band „bekloppter Diamant“ genannt wurde: „Shine on, you crazy diamond“ – „Glänze weiter, du bekloppter Diamant“ riefen die Pink Floyds ihm nach, und dann starb er, Jahre nach seinem Besuch in den Abbey Road Studios, wo er kurz in der Tür stand, während seine alten Bandkollegen dort 1974 das nächste Album aufnahmen und nachdem er dann wieder gegangen war. Die alten Kollegen nannten ihr Album, das sie in den Abbey Road Studios aufnahmen, dann „Wish You Were Here“ und sie meinten Syd, aber das, und das mit dem Diamanten weiß kaum jemand. Wie auch das mit dem Hausboot von Fred Karno. Syd Barrett gab es noch lange nach seinen drei Pink-Floyd-Jahren, aber er war nicht mehr da, lebte kahlköpfig und im Unterhemd vor sich hin, bis er irgendwann starb. Fred Karnos Hausboot taucht im Film „Chaplin“ von Sir Richard Attenborough auf und da spielt John Thaw Fred Karno. Karno und Thaw ähneln sich physisch kaum, aber ich sehe Karno jetzt immer mit seinem Gesicht (im Gegensatz zu Chaplin, der qua Verstorbenseins seit über vierzig Jahren überhaupt nichts mehr sieht). Fred-Karno-Darsteller Thaw, der selbst berühmt war als „Inspector Morse“ im britischen Fernsehen, starb, wie viele saufrauchende Schauspieler, vor der Zeit (2002, er war 60) und an Speiseröhrenkrebs. Das hat er mit Schauspieler Otto Sander gemeinsam, der 2001 im Kölner Café Sehnsucht auf den Tisch stieg und den Tod aus dem Jedermann zitierte, um später eine flammende Rede gegen die Spülmaschine zu halten, die er für Wasserverschwender hielt und der dann in Ermangelung eines One-Night-Stands mit dem Taxi ins Hotel fuhr, während David Gilmour auf dem Hausboot von Fred Karno ein neues Album in Angriff nahm.
Early dawning,
Sunday morning
It’s just the wasted years
so close behind
The Velvet Underground: “Sunday Morning”
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
