Sven K. – The Artist Formerly Known2019-03-10T19:39:00+02:00
2101, 2019

21. Januar 2019|Kategorien: Da draußen|0 Kommentare

Viele Entwicklungsstadien sind milde. Man bekommt Falten, einen Bauch, es fallen Haare aus, wo man sie will und sie fangen dort an zu wachsen, wo man sie nicht brauchen kann. Das alles sind Veränderungen, die man – was tröstet – mit Freunden und den Liebsten gemeinsam durchmacht und mal mehr, mal weniger wehmütig mitnimmt. Spätestens aber wenn die Borniertheit des Alters anfängt, wird es traurig. Viele Helden meiner Jugend sind jetzt um die Siebzig. Bei einigen ist es mir jetzt erst vergönnt, sie kennenzulernen – aber sie sind leider nur noch alte, selbstgefällige Männer die mir so kaltschnäutzige Abfuhren erteilen, dass sogar ihre danebenstehenden Frauen entschuldigend lächeln.

1901, 2019

19. Januar 2019|Kategorien: Da draußen|0 Kommentare

Mit Pappe ummantelte Plastikbecher.

Plastikbecher, auf die ein Recyklingpapiermuster aufgedruckt ist.

Es gab mal Pappbecher, früher, als Diesel noch nicht pfui, aber Verpackung ökologisch sinnvoll war, ohne dass überall “bio” und “öko” draufstand.

1301, 2019

13. Januar 2019|Kategorien: Da draußen|0 Kommentare

1201, 2019

Der vierte Zwerg

12. Januar 2019|Kategorien: Kultur|0 Kommentare

Zweiter Mime: Morgen habe ich einen Funk … Kinderstunde … “Schneewittchen” … Ich spiele einen Zwerg …
Erster Mime: Welchen?
Zweiter Mime: Den vierten …
Erster Mime: Wie legst du ihn an?
Zweiter Mime: Hintergründig.

Helmut Qualtinger und Johann Sklenka in “Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben” aus dem Programm “Hackl vor’m Kreuz” (1959)

901, 2019

Cassiel

9. Januar 2019|Kategorien: Künstlerausgang|0 Kommentare

Right time, right place ist so üblich wie ein erwähnenswerter Lottogewinn.

Gern hätte ich noch eine Bar gekannt, in die man unter der Woche nach Mitternacht noch mit dem Taxi zum Feiern und saufen fahren kann. Aber ich war Schauspielstudent und hatte kein Geld um in Stockholm auszugehen: Nur ein großes Bier kostete in der schwedischen Hauptstadt schon in den 1980ern umgerechnet etwa acht Euro. Nicht machbar ohne Arbeitserlaubnis und mit monatlich 750 DM von den Eltern. 450 davon gingen für Miete, Bus und Bahn drauf, 300 blieben fürs Leben und im Supermarkt kostete der billigste Käse fünf Mark (West). Die Mitschüler gingen am Wochenende, sogar unter der Woche aus, ich blieb in der Schule, hasste sie dafür, sich ihrer Privilegien nicht mal bewusst zu sein und statt zu saufen und zu feiern probte und trainierte ich.

Dann kam diese Nacht, in der ich ich im Rahmen der Wim-Wenders-Werkschau am Filminstitut für die Synchrondolmetscherin eingesprang. Sie hatte die Handke-Dialoge des “Himmel über Berlin” während der Filmvorführung synchronübersetzt, und völlig fertig zur anschließenden Podiumsdiskussion erschöpft das Handtuch geworfen. Ich hatte mich dann freiwillig gemeldet, zwischen Filmstudenten und Hauptdarsteller zu dolmetschen. Es wurde ein lustiger Austausch zwischen ihm, den ich bewunderte, und mir, ein Dialog, den ich den mir uninspiriert erscheinenden Studenten zwischendurch übersetzte. Sie fragten nach Rolle und Film, nicht nach Mensch und Künstler. Aber Schwamm drüber. Der Künstler war zu dem Zeitpunkt eh eher Mensch und wollte nur noch einen saufen gehen. Mir fiel, wie gesagt, auch nach langem Nachdenken nichts ein. Also fuhr er ins Hotel und ich nahm die U-Bahn in meine Studentenbude.

Ich war sehr frustriert, traurig und dem Schicksal superböse.

Schnitt. Wir haben das kleine Besäufnis zehn Jahre später in Köln nachgeholt, nach einer Ringelnatzlesung im dortigen ArTheater. Was war ich stolz, dass er sich da wirklich an unsere Stockholmer Begegnung und die missglückte anschließende Sauftour erinnerte. Zu der Zeit hatte man ihm die harten Drinks schon verboten, also reichte er mir die Schnäpse weiter, die man ihm ausgab, während wir lachten und er ein paar Flaschen Rotwein leerte (“Der Doc sagte ‘keinen Schnaps mehr’, von Wein war ja keine Rede.”).

Danach waren wir beide etwas schief ins Leben gebaut. Du stiegst betrunken im “Café Sehnsucht” auf den Tisch und spieltest aus dem “Jedermann” und diskutiertest lebhaft mit zufällig Anwesenden, ob eine Spülmaschine nun Wasserverschwendung sei oder nicht.

Und dann nahmst Du wieder das Taxi ins Hotel und ich wankte nach Hause.

Jetzt wohne ich sogar in seiner Stadt, aber nur seine Stimme ist noch zu hören im Berliner Tipi und sie gemahnt dort, vor der Vorstellung die Handys auszuschalten. Er selbst liegt auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof unter dem in den Boden gepflanzten Zeremonienstab.

Irgendwann begieße ich das Grab mit einem Schnaps oder zweien. Geht ja jetzt wieder, der Schnaps.

Right time, right place ist ein Arsch. Erinnerst Du Dich? Peymann sagte, du hättest so tot endlich friedlich ausgesehen. Ich sag: Schade, dass wir nicht noch einmal um die Häuser sind. Jetzt hätte ich die Kohle und ich wüßte auch wohin.

So oder so: wann immer ich im Berliner Tipi das Handy auf “stumm” schalte, dann, weil du mich grad dran erinnert hast. Dafür, aber besonders für alles andere: Danke, Mann mit den Schnittblumen!

Geknipst

Mit dummen Menschen zu streiten ist wie gegen eine Taube Schach zu spielen: Egal wie gut Du spielst, die Taube wird alle Figuren umwefen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.Unbekannt

Wir gammeln vor uns hin, verrotten, verwesen, verenden, und keinen interessiert’s. (…) Die Weltherrschaft wird man nicht bekommen, und wenn doch – was macht man damit? Wer will dieses anstrengende Gebilde von acht Milliarden, die nicht sterben wollen, schon leiten, und wenn doch, auch dann ist irgendwann Schicht.Sibylle Berg