Vor Jahren gaukelte mir eine Frau im Chat vor sie sei, bevor sie nunmehr mit dem greisen Peter O’Toole das Bett teile, mit Patrick Stewart zusammen gewesen. Heute twittere ich mit Brent Spiner. Die Zeiten ändern sich.
COMMERZBANK Ostberlin, Frankfurter Allee. Kaputte Fassade, zerschossene Panzerglasscheiben. Ich dachte eigentlich, so etwas können sich nur völlig bekiffte Bühnenbildner ausdenken, die aufgefordert sind total over the top zu arbeiten. Ich meine: Hauswände, an denen der Putz abfällt und wo das Mauerwerk drunter zu sehen ist – das ist doch Comic-Bildsprache. Ebenso wenig wie seit Monaten nur provisorisch reparierte zwei dutzend Einschusslöcher in panzerverglasten Schaufenstern. Dachte ich. Denke ich nicht mehr, seit ich vor ein paar Jahren erstmals die Berliner Filiale meiner Hausbank sah.
Das Grunge-Ambiente scheint aber in Berlin niemand zu stören. Da fühlen sich die Leute erst so richtig zu Hause: vor der Sparkasse fünfhundert Meter weiter haben sie vor nicht allzu langer Zeit jemanden erschossen.
Mathias Richling war von Anfang an nicht nur hysterisch und laut, sondern auch der Eitelste unter den ARD-Scheibenwischern. Also kam das hier nicht wirklich überraschend:
Man kann nachvollziehen, dass es ihm übel aufstößt wenn sich Platzhirsch Hildebrandt kurz vom Altenteil zurückmeldet, um ihm den Namen der Sendung unter dem hyperventilierenden Arsch wegzuziehen – wo Richling gerade endlich der alleinige Hausherr im Satireflaggschiff des ersten deutschen Fernsehfunks geworden ist. Dass und wie Richling aber jetzt auf Hildebrandt rumhackt lässt ihn, also Richling, wirken wie die Elke Heidenreich der ARD. Ganz ohne Perücke und falsche Titten. Humor-Fundamentalismus! Sozenkabarett! Was fürchtet er denn als nächstes? Dass Hildebrandt den (sic!) „Satire Gipfel“ mit Sprengstoffgürtel entert und sich im Namen der SPD in die Luft sprengt? Ganz peinliche Nummer: hier im Spiegel, hier im Focus, hier in der Main-Post.
Es wäre witzig, wäre es nicht so traurig: unsere TV-Landschaft demaskiert sich mehr und mehr als Jahrmarkt der Eitelkeiten – aber ironischerweise nicht auf den vielgescholtenen Privatkanälen sondern ausgerechnet im öffentlich-rechtlichen Puff und dort nicht im Flachwasser von Volksmusik und Seifenopern sondern in den hochnoblen Sparten Satire und Literatur. Dem Scheibenwischer wäre das eine Conférence wert gewesen.
Das Video des New Yorker Singer-Songwriters Oren Lavie zu seinem Titel „Her Morning Elegance“ erinnert an dieses Schmuckstück, das bereits 2009 zu Recht durchs Netz gelobt wurde, der Titel: „Weightless“.
Der Musik- und Tanzclip ist die Magisterarbeit der schwedischen Innenarchitektin, Möbeldesignerin, Singer-Songwriterin und Szenografin Erika Janunger. Ihre Idee war es, eine Synthese aus Architektur, Tanz und Musik zu schaffen um auszuloten, wie diese Elemente zusammenwirken. Janunger baute das Filmset so, dass es um 90 Grad drehbar war, was den Tänzerinnen viele zusätzliche kreative Möglichkeiten gab. Die Musik komponierte Janunger nachträglich um so die kuriose und auf ihre Art sehr originäre Art der Bewegungen, zu denen dieses Set inspirierte, besser betonen zu können.
Erika Janunger steht bei „Weightless“ für Choreografie, Bühnenbild, Musik, Text und Gesang. Die Tänzerinnen sind Malin Stattin und Tuva Lundkvist. Kameramann war David Grehn. Für das Kostüm zeichnet Johanna Adebäck, Frisuren und Makeup stammen von Klara Janunger. Den Schnitt besorgte Josefin Truedsson, die Postproduktion lag in den Händen von Gustaf Holmsten.
Die Idee, Tanz und Musik meit einem drehbaren Bühnenbild zu kombinieren ist nicht neu. Fred Astaire ließ sich für den Film „Royal Wedding“ (1951) ein Set bauen das sogar um 360 Grad gedreht werden konnte, so dass Astaire ohne Schnitt an allen Wänden und der Decke tanzen konnte. Die Nummer mußte in einem Take gedreht werden, da nach mehr als einer Drehung in dieselbe Richtung die Kabel der angeschlossenen Kamera samt Kameramann hoffnungslos ineinander verdreht gewesen wären.
Diesen anspruchsvollen Bühnenaufbau nannte man in den MGM-Studios damals sinnigerweise „das Hamsterrad“.
Willy Fleckhaus, the late artist known as „Deutschlands erster Art Director“, nervte die Autoren der von ihm gestalteten Druckwerke, wenn er noch Text brauchte, mit den Worten: „Schreib mir doch bitte noch drei Seiten Grauwert.“ Das ist das, was dabei herauskommt, wenn man Text mit leicht zusammengekniffenen Augen betrachtet. Das Ergebnis waren TWEN, die Edition Suhrkamp…
Sekundärliteratur:
Wikpedia: Space Night
BR alpha: Space Night
Wikipedia: Heinz HaberNach mutigen Fehlbesetzungen wie Heike Makatsch als Hilde Knef, der Merkel-Barbie oder Will Smith als Mohammad Ali nun das: Henry Maske als Max Schmeling. STERN-Kolumnist Till Hoheneder („Till & Obel“) befürchtet, als nächstes müsse jetzt wahrscheinlich Eddy Murphy als Nelson Mandela ran. Da wird er ruhig schlafen können, das erledigt nächstes Jahr Morgan Freeman. Hoffnung.
Mario Barth, der Fips Asmussen der Generation Comedy, sagt laut Kölner EXPRESS die Teilnahme an fünf Premierenfeiern seines Films „Männersache“ ab. Begründung: „Wegen Winnenden.“ Och. Warum so zart besaitet? Wegen schlechter Witze wird man in Deutschland nicht erschossen. Auch nicht als win-win-Komiker.
Mein zukünftiger Stiefsohn sagt, ich sei „Folk“. Folk ist im Französichen ein Wort mit der Wertigkeit von „alter Sack“. Folglich höre ich Folkmusik, also „alter-Sack-Musik“. Eins ist klar: so schleimt man sich nicht fürs erste Piercing ein. Sondern muss ein richtiges Stück Alter-Sack-Musik hören – oder um es mit dem Hasen Cäsar zu sagen (auch er unrettbar Folk): Biddeschööööön ;-)
Here we stand
Face the future
They say you live and you learn
Got no time
For reflection
Your bridges started to burn.
That was then this is now
That was then this is now
That was then this is nowYou’ve been there,
And you’ve done it.
Had your back to the wall
In the race,
And now you’ve run it
It doesn’t matter at all.That was then this is now
That was then this is now
That was then this is nowDon’t look back,
And don’t you worry
You can’t live for yesterday
Open door
Into tomorrow
You have to take it and break away.That was then this is now
[Barclay James Harvest featuring Les Holroyd „That was then this is now“ vom Album „Revolution Days“ (2002).]
That was then this is now
That was then this is nowNatürlich machte ihn Godard hier (1960) unsterblich:
Natürlich war er hier (1984) schon älter aber noch jünger als heute…
Und natürlich ist er hier (2008) älter…
Und offensichtlich hat ein anderer Alter des französischen Kinos mehr Angst vorm Älterwerden als er…
Unterm Strich bleibt: während Alain Delon immer noch den Frauenheld mimt, macht Bebel macht immer noch alle Stunts selber – auch den des Alterns… zum Beispiel in seinem aktuellen Fim „Ein Mann und sein Hund“, einem Remake des Klassikers „Umberto D.“ von Vittorio de Sica aus dem Jahr 1952…
Jean-Paul Belmondo „Un homme et son chien“, F 2008.
DER TOD – Cégeste…
CEGESTE – Madame?
DER TOD – Zum ersten Mal habe ich fast eine Vorstellung davon, was Zeit ist. Es muss schrecklich sein für die Menschen… Zu warten…
CEGESTE – Daran erinnere ich mich nicht mehr.
DER TOD – Ihr verspürt Langeweile?
CEGESTE – Was ist das?
Stille.
DER TOD – Verzeiht. Ich sprach zu mir selbst.
[Jean Cocteau „Orphée“ (1950). Mit Jean Marais, Maria Casarès u. a.]
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Mit dummen Menschen zu streiten ist wie gegen eine Taube Schach zu spielen: Egal wie gut Du spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.Unbekannt
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Guten Tag. Mein Name ist Sven K, das Internet ist seit 1996 meine Eckkneipe. Herzlich willkommen.
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