Selten Dämlich | Das Ein-Mann-Social-Network

Sven K. – Journal2026-09-14T02:38:49+02:00

“I got her the job in The Circus and then she started sleeping with Charlie.”Lita Grey

  • Ich kannte ihn als er noch nicht aus Bronze war, und sehr lebendig drin in diesem Café mit dem Ensemble seine Kabarettprogramme besprach. Ich zeichnete ihn gern als Engel. „Aber ich bin doch noch nicht tot“, sagte er dann. „Es ist eine Metapher“, sagte ich. „Sehe ich aus wie eine Metapher“ fragte er zurück und wir tranken von dem, was in Krakau zu der Zeit Konjak hieß und aßen Flaczki dazu.

  • Mit Pappe ummantelte Plastikbecher.

    Plastikbecher, auf die ein Recyklingpapiermuster aufgedruckt ist.

    Es gab mal Pappbecher, früher, als Diesel noch nicht pfui, aber Verpackung ökologisch sinnvoll war, ohne dass überall „bio“ und „öko“ draufstand.

  • [ Roger Hodgson: „Two Of Us“, Live in Montreal 2006. ]

    PS: An ihm hat’s nicht gelegen, dass die Supertramp-Reunion nie zustande kam. Hodgson hat’s mehrfach angeboten, Rick Davies hat abgelehnt. Der wollte mit dem Rest der Jungs einfach nur sein Jazzdings weitermachen. Und außerdem kommt, wenn einer in der Band Charisma hat, immer auf. Hodgson macht weiter mit Musik.

  • Nur in Deutschland gibt es diese Leute, die in verkehrslosen Straßen an roten Fußgängerampeln stehenbleiben und mir, der ich die Ampel ignoriere, weil es mir sinnfrei erscheint, drei Minuten eine leere Straße zu beobachten, hinterhernörgeln: „Bei Rot steht man!“

    Solche Leute bevölkern Prozesse, Ausschüsse und Abnahmeprotokolle. Sie schreiben Mails mit „wie bereits telefonisch besprochen“ oder „bitte zeitnah zu erledigen“. Was solche Leute verkörpern, ist nicht Bürgerlichkeit. Das ist administrierte Lebensangst.

    Nicht mit mir.

    Mein Fahrrad kommt frisch aus der Frühjahrsinspektion, geht ab wie Luzie, und ich ignoriere Rot. Julius Cäsar hat schließlich in Gallien auch nicht an jeder Ampel gehalten – und die Pariser halten es bis heute so.

    Deswegen hatten die Coco Chanel.

    Und wir haben Harald Glööckler.

  • “In Romania, bloggers are 20-something geeks
    that are happy to share things and glad to
    be up on the stage. At Blogging in Germany
    and America i saw old journalists trying to
    teach us about new media and the tech revolution.”
    (Vali Petcu, Berlin.)

    ”Es sind wenig Frauen anwesend. Zu wenig. Das war klar,
    als ich merkte, dass ich nie vor dem Klo anstehen musste.”
    (engl@absurdum)

    „Die re:publica war zu oberflächlich, zu belanglos,
    zu labertaschig? Schlagt bessere Themen und Referenten
    vor, setzt euch selbst auf die Podien.”
    (Felix Schwenzel)

    Ich hatte ein Ticket für die re:publica. Lange gekauft. Earlybirdtarif. Mich drauf gefreut. Mein Ticket  hing an der Wand. Ich bin nicht hingegangen. Nicht, weil ich nicht gewollt hätte. Gern hätte ich dort Freunde getroffen und Menschen, die ich schon lange nicht gesehen habe, Menschen, die ich schon lange gerne kennengelernt hätte. Ich saß stattdessen zuhause, mußte arbeiten. Die da waren, berichteten, die, die Webzwonull nie als Selbstzweck feierten, habe Zwonull in umbekümmerter Nabelschau verloren oder kaum erreicht. Während die Formen qua Messe ihren Inhalt suchen, so die, die da waren, suchen die Inhalteverwalter ihre Behälter längst wieder anderswo. Ich als Zahnarztfrau und als Inhaltsfetischist frage mich: warum nicht mal eine Messe, die explizit content provider und Förmchengießer zusammenbringt? Das wäre doch mal interessant.

  • Da sind wir, uns wir fühlen uns wichtig. Für einen Moment vergessen wir unsere Sterblichkeit, weil wir eine Aufgabe erfüllen. Die Aufgabe ist ein Vergessmittel, eine Droge. Vielleicht überlebt es uns sogar, das, was wir im Dienst der Aufgabe getan haben? Wir halten uns fest an Mikrofonen und Kameras, Dingen die Spuren von dem festhalten, was unbedingt verschwinden wird: wir. Verbrannt, verscharrt, vergessen. Wer erinnert sich noch an den Bäcker Joe Kowalski, der in der 13., Ecke Union Square in New York von 1902 bis 1943 die besten Bagles der Stadt machte? Wer erinnert sich an seine Frau Aneta, die die Sonne aufgehen ließ, wann immer sie das Ladenlokal betrat? Und an all die Kunden, die Aneta und Joe als das größte Traumpaar aller Zeiten feierten? Wer erinnert sich an ihre rauchige Stimme und ihr unwiderstehliches Lächeln? Wer erinnert sich an Joes chaotisches Wesen, den Wirrkopf der nur dann voll konzentriert schien, wenn er seine Bagles ins Honigwasser tauchte? Niemand. Kein Wunder, denn ich hab’ ihn gerade erfunden. Oder nicht? Sehen Sie.

    Wem bedeutet es hierzulande etwas, dass in Amerika gerade Walter Cronkite gestorben ist, der Mann auf dem Foto da oben? Walter Cronkite, der Hajo Friedrichs der USA. Wer war Hajo Friedrichs? Sehen Sie. Walter Cronkite. Hinter seinem Mikrofon mit dem Telefon am Ohr sieht er so aus, als lebe er im festen Gefühl (und er gibt es an uns weiter), alles würde immer so weitergehen, als würde alles immer existieren, so wie er und seine Aufgabe: „to hold up the mirror – to tell and show the public what has happened“. Dabei ist nichts für ewig und es kommt für alle der Tag, an dem sie nur noch ein Katzenleben haben oder weniger. Ob wir Bagles backen, die Liebe unseres Lebens finden, ob wir den Flugschein machen, um in ein Haus zu fliegen oder ob wir über all dies berichten.

    Das Mikrofon ist nicht wichtig.

    Wichtig sind die Menschen, die unsere Hand halten, bis wir wieder verschwinden. Die sind auch da, wenn wir das Mikrofon nicht mehr halten können. Und werden wie wir, aber was können wir schon dagegen tun, vergessen von einer Spezies, die nicht mal so einen Kleinkram wie Ewigkeit oder die Unendlichkeit des Universums begreift. Wie Walter Cronkite immer sagte: „And that’s the way it is”.

    Weiter mit Musik.

  • Naja, das Problem ist ein altes und das hat damit zu tun, dass Berlin in dem Sinne wirklich nie diese Bürgerschaftseigenschaften und bürgerlichen Eigenschaften, Tradition des Citoyens wirklich verinnerlicht hat. Das ist ein Drama, das man also schon seit vielen Jahren verfolgen kann, aber interessanterweise ist der schon altbekannte, vor allem auch übrigens Westberliner Provinzialismus, eigentlich durch die Tatsache des Berlinumzuges, wo man ja hoffen konnte, es sind eine Unzahl an Menschen in Berlin, die politisch tätig sind. Die ganze Regierungsabteilung ist gewissermaßen hier, aber der Provinzialismus ist nicht kleiner geworden.

    Im Gegenteil, diese Mittelmäßigkeit, auch die Form des Verbockten, die Bürgermeister, in dem Falle ganz Kai Wegener, exemplarisch zum Ausdruck, sie ist nicht kleiner geworden. Insofern muss man sagen, es fehlt hier schlichtweg an Engagement für diese Stadt und das hat damit zu tun, dass Berlin so groß ist, traditionell und so zerfällt in seine kleinen Stadtteile, dass so etwas wie bürgerliches Empfinden, Bereitschaft sich dafür einsetzen, eigentlich in nur geringem Maße vorhanden ist. Das ist ein Berlin Spezifikum, aber es ist natürlich auch ein Stück weit aussagekräftig für die gesamte Politik in Deutschland, bei der wir immer mehr erleben müssen, dass die Stärke der Rechtsradikalen, überhaupt der Populisten an den Rändern, auch dem Umstand geschuldet ist, dass das Engagement in der Mitte viel zu schwach geworden ist.

    DLF: Das war der Tag 10.07.2026 – Berliner CDU „Wegner hat die Bevölkerung über Monate belogen“

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