Säkert!
Dansade brevid dig Ville gå hem vid fyra Men jag stannade till sju Utan att våga säga mer än hej Du är rätt ung Jag är äldre än du Men du röker så jag skulle säga att vi är plus minus noll Vi kommer att dö samtidigt, du och jag Vi kommer att dö samtidigt, du och jag Vi kommer att dö, dö En hund jag kände dog för en vecka sen Och några dagar senare dog hans hundkamrat Dom kände varandra fanns ingen poäng att leva utan en bästa vän Jag förstod det inte då men nu vet jag vem det kommer bli Vi kommer dö… Andas, jag kan inte andas För det låter så pinsamt kvavt där jag står brevid dig. För trött för att dölja, det måste vara uppenbart åh Kom inte närmre, åh snälla kom närmre Snälla kom närmre, snälla kom närmre, kom närmre… Vi dansade i samma takt Likadana hjärnor som redan tänkt på allt innan någonting hänt gjort om till ironi rädd för något som känslor men slippa vara smart i kväll. Vi kommer dö…
Tanzte neben dir, wollte heimgehen, blieb dann doch bis sieben und traute mich nicht mehr als „hi“ zu sagen. Du bist noch ziemlich jung, ich bin älter als du – aber du rauchst, deswegen sag ich mal: wir sind gleichauf. Wir werden gleichzeitig sterben, du und ich. Wir werden gleichzeitig sterben, du und ich. Wir werden sterben. Sterben. Ich kannte einen Hund, der ist vor einer Woche gestorben und ein paar Tage später starb sein Hundefreund. Die waren so dick miteinander, ohne den besten Freund zu leben, das ging gar nicht. Ich hab das erst nicht verstanden, aber jetzt weiß ich wer das für mich sein wird. Wir werden gleichzeitig sterben, du und ich. Luft, ich kriege keine Luft weil das so voll daneben klingt wenn ich neben dir steh. Zu müde es zu verstecken, ist wohl offensichtlich. Komm bloß nicht näher, oh bitte komm näher, oh bitte komm näher, oh bitte komm näher, noch näher… Wir tanzten im gleichen Takt, wie unsere Köpfe die immer alles schon dachten bevor überhaupt was war, es ironisierten aus Angst vor sowas wie Gefühlen. Aber nicht heute Nacht. Wir werden gleichzeitig sterben…
[Annika Norlin/Säkert! „Vi kommer att dö samtidigt“, Razziarecords (Schweden), 2007.]
Sekundärliteratur: Säkert! Live in Malmö (1), Säkert! Live från Malmö (2), Mit Anna Järvinen: För varje hjärtslag (With Every Heartbeat).
Morgen, ihr Luschen!
Für die Deutschlandpremiere in Berlin hatten sie nur so ein mittleres kleines Theaterchen angemietet und nicht mal genug getrommelt, damit der liebe Herr Müller ein volles Haus hatte. Die Leute von Juniwörsl scheinen sich keinen großen Umsatz von ihm zu versprechen und entsprechend nicht viel vorzuhaben mit ihrem Ausbilder. Was verständlich ist. Denn der Herr Müller ist wirklich witzig. Sie werden ihn also niederpochern.
Bananas To The Beat
Wer hierzu die Spülmaschine einräumt und sich bei weit offener Balkontür darüber freut, dass es nach Frühling riecht, ist garantiert in den tiefsten Achtzigern verwurzelt. Tequila!
re:publica'09
“In Romania, bloggers are 20-something geeks
that are happy to share things and glad to
be up on the stage. At Blogging in Germany
and America i saw old journalists trying to
teach us about new media and the tech revolution.”
(Vali Petcu, Berlin.)”Es sind wenig Frauen anwesend. Zu wenig. Das war klar,
als ich merkte, dass ich nie vor dem Klo anstehen musste.”
(engl@absurdum)„Die re:publica war zu oberflächlich, zu belanglos,
zu labertaschig? Schlagt bessere Themen und Referenten
vor, setzt euch selbst auf die Podien.”
(Felix Schwenzel)Ich hatte ein Ticket für die re:publica. Lange gekauft. Earlybirdtarif. Mich drauf gefreut. Mein Ticket hing an der Wand. Ich bin nicht hingegangen. Nicht, weil ich nicht gewollt hätte. Gern hätte ich dort Freunde getroffen und Menschen, die ich schon lange nicht gesehen habe, Menschen, die ich schon lange gerne kennengelernt hätte. Ich saß stattdessen zuhause, mußte arbeiten. Die da waren, berichteten, die, die Webzwonull nie als Selbstzweck feierten, habe Zwonull in umbekümmerter Nabelschau verloren oder kaum erreicht. Während die Formen qua Messe ihren Inhalt suchen, so die, die da waren, suchen die Inhalteverwalter ihre Behälter längst wieder anderswo. Ich als Zahnarztfrau und als Inhaltsfetischist frage mich: warum nicht mal eine Messe, die explizit content provider und Förmchengießer zusammenbringt? Das wäre doch mal interessant.
Goethe im Puff
SPIEGEL Online bei MySpace – das liest sich wie „Ray Charles im Komödiantenstadl“ oder „Goethe im Puff“. Jetzt wissen wir jedenfalls: SPIEGEL ist männlich, sein Account ist wie sein letztes Login: privat. Er hat um Start mal 290 Friends, unter anderem Die Demolition Girls. Yeah! Mach Dich nackich for Premium News! Nu. So jedenfalls sieht es aus.
Sven K. Radio Show (2)
1998, Jahre vor der Generation Podcast mußte man sich, um sich akustisch bemerkbar zu machen, eine real existierende Radiostation suchen. Für mich war das „Die Bergische Welle“, ein Sender im sehr umliegenden Umland von Köln (der Ort hieß Paffrath und der Betreiber des Senders hat irgendwann vor Jahrunderten mal einen Rock’n’Roll-Tanzwettbewerb gewonnen, fragense mich nicht, was das mit Radio zu tun hat außer, dass das Studio hinter dem Ballettsaal lag). An diesem wildromantischen Ort moderierte ich einmal pro Monat die „Sven K. Radio Show“. Momentan digitalisiere ich die CDs dieser Sendung, mir nach jeder Aufzeichnung zugeschickt wurden durch meinen leider vor der Zeit verstorbenen Redakteur – er versuchte (leider vergeblich), eine akute Tuberkulose durch die regelmäßige Einnahme von Caiprinhas zu kurieren. Hier die Zusammenfassung der Folge vom 26. Januar 1998. Dauert knapp drei Minuten – ohne die GEMA-pflichtige Musik, versteht sich.
Es geht um Kunst und Kommerz, Texte schreiben und Wäsche waschen, um die Tote-Armee-Fraktion und um Paula Cole.
[audio:https://svenk.de/wp-content/uploads/2009/03/skrs-981026-joined.mp3]Die Sven K. Radio Show (1): Du rechtsradikales Klo!
Zweieinhalb Minuten aus der Sven K. Radio Show vom 26. Juli 1999. Im Zentrum ein Griff ins Klo von Standup-Pionier Lenny Bruce. Ich war so frei, zu übersetzen. Heraus kam eine Hommage an Wilfried Schmickler.
[audio:https://svenk.de/wp-content/uploads/2009/04/skrs-990726-joined.mp3]Tschilp!
Ein Vogel! Die Balkontür steht weit offen. Ich setz den Kopfhörer ab. Nee, wirklich. Was ich da höre ist nicht das Produkt der Forschung des Fraunheimer-Instituts. Das ist ein echter Vogel. Der erste Vogel des Frühlings, draußen im Baum. Tschilp. Voller Zuversicht, denke ich mir (Menschen müssen sich ja immer was denken). Tschilp, tschilp! Bin allein, es fehlt Dein vertrautes Grinsen und die Erklärung, welcher Vogel das jetzt ist. Ich kann ja bestenfalls am Tastaturanschlag erkennen, ob der jeweilige Nutzer jetzt in Photoshop oder in Word unterwegs ist. Trotzdem, ich möchte den Vogel jetzt gern begrüßen. Ich tu’s einfach in meiner Sprache: „Hey Vogel. Schön dass du da bist. Vergiss nicht die Uhr umzustellen.”
Was machen eigentlich…
„Wer beißt schon gern in and’rer Leute Kragen?
Und wieso wird in unserm Eisschrank nie geheizt?
Es gibt so manche dieser ausgefall’nen Fragen
Die einen klugen Kopf zum Überlegen reizt
Von diesen Fragen, die das Leben stellt
Von diesen Fragen, die das Leben an dich stellt.“
(Ulrich Roski, Großphilosoph.)Heute: Inga und Wolf. zuerst heute:
Und jetzt gestern (Musik und Text von Wolfgang „Schobert“ Schulz. Den gibt es heute schon nicht mehr. Inga liebte ihn, las ich):
Geschichten, die das Leben schreibt. Das Leben schreibt seine Geschichten gern in Gesichter. Lalala. Lalala. Das ist sehr Schobert. „Starb während der Arbeit an einer Solo-LP 1992 in Berlin an plötzlichem Herzversagen“ umschreibt die dazugehörige Geschichte wahrscheinlich nur sehr unvollkommen. Das Lied das er schrieb hat er für sich behalten.
Alte Fotografenweisheit, übrigens: Wenn man Menschen anschaut, gibt es immer ein „offizielles” und ein „Seelen”-Auge. Probieren Sie’s mal mit . Reinhard und Wolf. Und Inga fotografiert. Tun Sie’s. Halten sie mal Augen zu. Erstaunlich, oder? Geschichten…
Panik
[kml_flashembed movie=“/wp-content/uploads/2009/03/n-7-r2-2b.swf“ height=“270″ width=“480″ /] [Eine Flash-Animation die ich 2008 für die ProSieben-Show „Noch Besserwissen“ baute. Produktion Grundy LE, Köln.]Indem ich ihn seit Jahren nur noch so dupp-n-dudu-artig nuschelsingen und phlegmatisch über seine Likörmalerei philosophieren höre bin ich immer wieder überrascht, wenn ich Udo Lindenberg mal wieder gepflegt auf eine Schießbude eindreschen sehe. Wie hier bei Klaus Doldingers Passport, wo „Lindi” lange Drummer war. Klickt weiter, um ein Geschmacksmuster zu sehen und zu hören.
Der Wille für die Tat
Yoko hat das Genie immer nur katlogisiert, nie begriffen. Sie kompensierte dieses Defizit (und tut es bis heute) durch Hörigen-Kidnapping (siehe Illustration):
Was tut, dass nicht nur ich die Frau (nicht die Künstlerin) seit langem gefressen habe. Aber das thematisierte ich schon vor Jahren. Räusper. Zur Erinnerung:
Staub im Gepuste
Kenn’ses?
[Kansas, „Dust In The Wind“. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Werk eines prominenten Nuschelsängers aus Minnesota.]Nuhr 'ne Krise
Dieter Nuhr nannte ich oft nur gern den „Reinhard Mey des Kabaretts“: nett, tut niemand weh, dem hört man gern beim Plaudern zu, ein Mann, dem man gern den Schlüssel für die Wohnung gibt, wenn während des Urlaubs die Katze gefüttert werden muss. Ich revidiere mich. Zitat ab:
Bankenkrise. Fünfhundert Milliarden weg. Fünfhundert Milliarden, das kann man sich gar nicht vorstellen. Schlimm ist, wenn einem 500 Euro fehlen, das ist richtig unangenehm.
Wenn man bei der Bank einen Kredit hat und 500 Euro nicht zurückzahlen kann, das ist unangenehm. Wenn Sie dem da am Tresen erklären müssen: „Jaaa… mein Finanzsystem ist zusammengebrochen…“ Da gucken Sie sich mal die Fresse an, da hinter dem Tresen. Da können Sie zusehen, wie dem die Eckzähne wachsen. Da würde ich gar nicht hingehen. Wenn Sie nicht bezahlen – ist doch egal. Nee, ehrlich. Nix sagen. Post nicht mehr beantworten, Einschreiben nicht mehr unterschreiben, nicht mehr ans Telefon gehen, einfach abwarten. Bis die wachsen, die Schulden, dann wird’s einfacher.
Ja, 500.000 Schulden ist schon viel einfacher. Wenn Sie 500.000 nicht bezahlen können, dann müssen Sie in der Bank schon nicht mehr warten, bis ein Mitarbeiter frei wird. Da werden Sie gleich nach hinten durchgereicht.
Ab 500 Millionen bieten die sogar Kaffee an.
Bei 500 Milliarden kommt die Bundeskanzlerin ganz unverbindlich zum Gespräch dazu. Und sagt: „Ich zahl’ das, ist doch kein Thema.“
Reifen-Heinz
[Sekundärliteratur: Don Dahlmann zum Thema „Werbung per Twitter“.
Und es passiert schon: „The T-Mobile-Dance“. Menschen machen Werbung und kommen sich dabei hip vor. Des Pudels Kern. Schwiiiing!]Hoş Geldiniz
So eine privilegierte Partnerschaft ist anscheinend doch nicht so schlecht: viele Kinderfilme kommen auf DVD heutzuage in Deutsch, Englisch und… Türkisch heraus! Hm. Dass die Erweiterung des realen Europa aus der skurrilen unsehbaren Sendung des European Song Contest ein ostpoppiges Gruselkabinett, sprich eine noch skurrilere, noch unsehbarere Veranstaltung gemacht hat, ist mir ja schnuppe. Indes, als Teil eines deutsch-französischen Haushalts bin ich als Kerneuropäer doch… befremdet. Aber ich muss anders denken, haben wir doch alle grad einmal mehr gelernt, dass der Kapitalismus kein Idealismus ist. Wahrscheinlich war dem Discounter einfach die französische Tonspur zu teuer.
Das erspart jede weitere Werbung.
Ich liebe Pizzataxi-Reklame. Ich liebe Menschen, die nichts wirklich können, das aber sehr laut anpreisen und betreiben. Nein wirklich. Pizzalieferservices sind die Ikonen der Zeit. Wegelagernde Inkompetenz, deren Werbung deutlich anzusehen ist, dass sie nichts anderes im Schilde führt, als aus Teig und Benzin Kohle zu machen. Diese Werbeslogans auf ihren immergleichen Faltblättern, ich lese „Steinofen gebacken“. Was rauchen die? Warum backen die ihren Ofen? Und ich lese auch (sic!) „Werbung ist nicht unsere Stärke Aber Pizza“, ein Wortkonglomerat, ganz nah an „Die Krise ist keine Kulisse für Schaukämpfe“.
Natürlich lasse ich trotzdem keine Pizza kommen. Ich kaufe generell nicht bei Menschen die sogenannte lustige dicke Kochfiguren auf ihre Prospekte drucken lassen, und das tun sie alle. Neben Pilzpiktogrammen und lachenden Fischen lungern sie herum, diese grenzebilen gezeichnete Fettsäcke mit Kochmütze, die eine Pizza halten oder, auch beliebt, sie just aus dem Ofen ziehen und dabei glotzen als bekämen sie gerade einen geblasen. Nein, nein, nein. Kauf ich nicht.
Und wenn sie zehnmal ihren Steinofen backen.
Vom Grunzen der Redundanzen
„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
(Aristioteles)“Jedes Teil nur ein Euro!“
(Resterampe)#1
Was ist an B. witzig? Vielleicht ist es ja reizvoll, dass man sich ihm so gar nicht unterlegen fühlen muss. Diese Haltung hat überhaupt Hochkonjunktur – stolz sein drauf, was man alles nicht kann. Einfach so dahinplappern reicht für eine ganze Karriere. Das muss irgendwas mit der Sehnsucht zu tun haben, sich eine Welt einzurichten, in der kein sozialer Abstieg mehr möglich ist, weil jeder Art von Mühe, von der Selbstbeherrschung bis zum Abstraktionsvermögen, mit einem Grunzen der Krieg erklärt wird.
[SZ Nr. 67/S.14, „Kein Abstieg mehr möglich“: Susan Vahabzadeh über einen Kinofilm des Komikers Mario Barth.]#2
Besonders bitter: die Minuten nach der Sendung. Es ist nichts hängengeblieben. Der Sendung fehlt die Relevanz, die Momente, in denen man gebannt zuschaut. An den Themen lag es nicht, doch R. gelingt es nicht, eine Haltung zu vermitteln, Aussagen zu treffen.
[SZ Nr. 67/S.21, „Haltungsfehler“: Thomas Becker über die ARD-Sendung „Satiregipfel“.]
#3
Die Ausstellung ist ein Anlass der besonderen Art. Zwölf Räume werden im Museum in ihrem ursprünglichen Sinne gezeigt: Sie sind leer. Die mit weisser Farbe bemalten Wände brachten den Besucher in direkten Kontakt mit dem leeren Raum. Die Kunst erscheint nicht als Objekt, sondern in Form einer malerischen Präsenz.
[„Vides, une rétrospective“, Paris, Centre Georges Pompidou, M.N.A.M., 25.03.09-23.03.09.]Bedingungsloses Grundeinkommen
Der sich den Wolf animiert
Inspiriert vom Video „Remind Me“ der norwegischen Downbeat-Elektrorocker Røyksopp schnitzte Tomas Nilsson, der im schwedischen Norrköping Kommunikationsdesign studiert, seine Magisterarbeit in Mediengestaltung. Die Aufgabe war, eine eigene Interpretation des Märchens vom Rotkäppchen zu erarbeiten. Nilsson gelingt nicht nur das mit viel Liebe zu urkomischen Details, er karikiert in einem Abwasch auch noch eine Meetingkultur, die in Zeiten von Google SketchUp nicht mehr ohne immer aufwändigere digitale Projektpräsentationen auskommt. Den Soundtrack liefert Slagsmålsklubben mit „Sponsored By Destiny“.
[gefunden über logbu.de]The Commerzbank Shooting
COMMERZBANK Ostberlin, Frankfurter Allee. Kaputte Fassade, zerschossene Panzerglasscheiben. Ich dachte eigentlich, so etwas können sich nur völlig bekiffte Bühnenbildner ausdenken, die aufgefordert sind total over the top zu arbeiten. Ich meine: Hauswände, an denen der Putz abfällt und wo das Mauerwerk drunter zu sehen ist – das ist doch Comic-Bildsprache. Ebenso wenig wie seit Monaten nur provisorisch reparierte zwei dutzend Einschusslöcher in panzerverglasten Schaufenstern. Dachte ich. Denke ich nicht mehr, seit ich vor ein paar Jahren erstmals die Berliner Filiale meiner Hausbank sah.
Das Grunge-Ambiente scheint aber in Berlin niemand zu stören. Da fühlen sich die Leute erst so richtig zu Hause: vor der Sparkasse fünfhundert Meter weiter haben sie vor nicht allzu langer Zeit jemanden erschossen.
Dieter Bin Hildebrandts Al Satira
Mathias Richling war von Anfang an nicht nur hysterisch und laut, sondern auch der Eitelste unter den ARD-Scheibenwischern. Also kam das hier nicht wirklich überraschend:
Man kann nachvollziehen, dass es ihm übel aufstößt wenn sich Platzhirsch Hildebrandt kurz vom Altenteil zurückmeldet, um ihm den Namen der Sendung unter dem hyperventilierenden Arsch wegzuziehen – wo Richling gerade endlich der alleinige Hausherr im Satireflaggschiff des ersten deutschen Fernsehfunks geworden ist. Dass und wie Richling aber jetzt auf Hildebrandt rumhackt lässt ihn, also Richling, wirken wie die Elke Heidenreich der ARD. Ganz ohne Perücke und falsche Titten. Humor-Fundamentalismus! Sozenkabarett! Was fürchtet er denn als nächstes? Dass Hildebrandt den (sic!) „Satire Gipfel“ mit Sprengstoffgürtel entert und sich im Namen der SPD in die Luft sprengt? Ganz peinliche Nummer: hier im Spiegel, hier im Focus, hier in der Main-Post.
Es wäre witzig, wäre es nicht so traurig: unsere TV-Landschaft demaskiert sich mehr und mehr als Jahrmarkt der Eitelkeiten – aber ironischerweise nicht auf den vielgescholtenen Privatkanälen sondern ausgerechnet im öffentlich-rechtlichen Puff und dort nicht im Flachwasser von Volksmusik und Seifenopern sondern in den hochnoblen Sparten Satire und Literatur. Dem Scheibenwischer wäre das eine Conférence wert gewesen.
Weightless
Das Video des New Yorker Singer-Songwriters Oren Lavie zu seinem Titel „Her Morning Elegance“ erinnert an dieses Schmuckstück, das bereits 2009 zu Recht durchs Netz gelobt wurde, der Titel: „Weightless“.
Der Musik- und Tanzclip ist die Magisterarbeit der schwedischen Innenarchitektin, Möbeldesignerin, Singer-Songwriterin und Szenografin Erika Janunger. Ihre Idee war es, eine Synthese aus Architektur, Tanz und Musik zu schaffen um auszuloten, wie diese Elemente zusammenwirken. Janunger baute das Filmset so, dass es um 90 Grad drehbar war, was den Tänzerinnen viele zusätzliche kreative Möglichkeiten gab. Die Musik komponierte Janunger nachträglich um so die kuriose und auf ihre Art sehr originäre Art der Bewegungen, zu denen dieses Set inspirierte, besser betonen zu können.
Erika Janunger steht bei „Weightless“ für Choreografie, Bühnenbild, Musik, Text und Gesang. Die Tänzerinnen sind Malin Stattin und Tuva Lundkvist. Kameramann war David Grehn. Für das Kostüm zeichnet Johanna Adebäck, Frisuren und Makeup stammen von Klara Janunger. Den Schnitt besorgte Josefin Truedsson, die Postproduktion lag in den Händen von Gustaf Holmsten.
Die Idee, Tanz und Musik meit einem drehbaren Bühnenbild zu kombinieren ist nicht neu. Fred Astaire ließ sich für den Film „Royal Wedding“ (1951) ein Set bauen das sogar um 360 Grad gedreht werden konnte, so dass Astaire ohne Schnitt an allen Wänden und der Decke tanzen konnte. Die Nummer mußte in einem Take gedreht werden, da nach mehr als einer Drehung in dieselbe Richtung die Kabel der angeschlossenen Kamera samt Kameramann hoffnungslos ineinander verdreht gewesen wären.
Diesen anspruchsvollen Bühnenaufbau nannte man in den MGM-Studios damals sinnigerweise „das Hamsterrad“.
Grauwert
Willy Fleckhaus, the late artist known as „Deutschlands erster Art Director“, nervte die Autoren der von ihm gestalteten Druckwerke, wenn er noch Text brauchte, mit den Worten: „Schreib mir doch bitte noch drei Seiten Grauwert.“ Das ist das, was dabei herauskommt, wenn man Text mit leicht zusammengekniffenen Augen betrachtet. Das Ergebnis waren TWEN, die Edition Suhrkamp…
