Albrecht von Lucke: „Es fehlt an Engagement. Das ist ein Berlin Spezifikum, aber es ist natürlich auch ein Stück weit aussagekräftig für die gesamte Politik in Deutschland.“
Naja, das Problem ist ein altes und das hat damit zu tun, dass Berlin in dem Sinne wirklich nie diese Bürgerschaftseigenschaften und bürgerlichen Eigenschaften, Tradition des Citoyens wirklich verinnerlicht hat. Das ist ein Drama, das man also schon seit vielen Jahren verfolgen kann, aber interessanterweise ist der schon altbekannte, vor allem auch übrigens Westberliner Provinzialismus, eigentlich durch die Tatsache des Berlinumzuges, wo man ja hoffen konnte, es sind eine Unzahl an Menschen in Berlin, die politisch tätig sind. Die ganze Regierungsabteilung ist gewissermaßen hier, aber der Provinzialismus ist nicht kleiner geworden.
Im Gegenteil, diese Mittelmäßigkeit, auch die Form des Verbockten, die Bürgermeister, in dem Falle ganz Kai Wegener, exemplarisch zum Ausdruck, sie ist nicht kleiner geworden. Insofern muss man sagen, es fehlt hier schlichtweg an Engagement für diese Stadt und das hat damit zu tun, dass Berlin so groß ist, traditionell und so zerfällt in seine kleinen Stadtteile, dass so etwas wie bürgerliches Empfinden, Bereitschaft sich dafür einsetzen, eigentlich in nur geringem Maße vorhanden ist. Das ist ein Berlin Spezifikum, aber es ist natürlich auch ein Stück weit aussagekräftig für die gesamte Politik in Deutschland, bei der wir immer mehr erleben müssen, dass die Stärke der Rechtsradikalen, überhaupt der Populisten an den Rändern, auch dem Umstand geschuldet ist, dass das Engagement in der Mitte viel zu schwach geworden ist.
DLF: Das war der Tag 10.07.2026 – Berliner CDU „Wegner hat die Bevölkerung über Monate belogen“
Gleichschaltung Galore
Du. Scheiße. Larry Ellison, ein Verbündeter von Trump und einer der reichsten Männer der Welt, hat gerade Paramount und CBS übernommen. Jetzt plant er, Warner Bros. zu kaufen, einschließlich CNN. In einer Zeit, in der sechs große Konzerne kontrollieren, was 90 % der Amerikaner sehen, hören und lesen, verschärft sich die Kontrolle der Oligarchen über die Medien noch weiter.
Über die joviale Scheißfreundlichkeit
Es gibt Menschen, die freundlich mit dir reden, wenn sie dich treffen, und dann hörst du Jahre nichts von ihnen. Und immer, wenn du sie wiedersiehst klopfen dir wieder auf die Schulter, nennen dich einen guten Freund und sagen Dinge wie „Wir sehen uns viel zu selten“. Dann geht man irritiert nach Hause und sagt sich: „Hey, hatte ich nicht gehört, dass diese Person überhaupt nicht gut auf mich zu sprechen sei und wo es ginge, hinter meinem Rücken gegen mich intrigiert?“ Das muss kein Widerspruch sein.
Dieses Verhalten ist im Grunde eine soziale Fassade, das ich die aufgesetzte joviale Scheißfreundlichkeit nennen möchte. Sie dient als Strategie, um Konflikte zu vermeiden und eine schnelle, oberflächliche Interaktion zu ermöglichen, die es einem erlaubt, schnell zu den Buddys ans Buffet zu gelangen. Man könnte die joviale Scheißfreundlichkeit auch als eine moderne Form der Höflichkeitslüge bezeichnen, ein subtiles Ghosting in plain sight.
Die Wahl dieses Umgangs ist oft auf zwei Hauptgründe zurückzuführen: Zum einen Feigheit und Konfliktscheu, da eine direkte Konfrontation vermieden wird, während man sich zum anderen pragmatisch die Tür einen Spaltbreit offenhält, um potenziell nützliche Kontakte nicht endgültig abzubrechen. Im Kern ist die joviale Scheißfreundlichkeit nichts anderes als ein lässig als Wertschätzung getarntes, kaltes Desinteresse.
Auf ein so vorgebrachtes: „Hey, altes Haus! Gut schaust du aus!“ könnte man also mit Fug und Recht (zumindest innerlich) antworten: „Well, fuck off to you, too.“
Nothing to lose for win-win
Die Volksverpetzer zeigen auf die falsche Stelle im System: Es geht nicht um das Regierungsprogramm, es geht um die Regierung. Die Merz-Regierung hat, wie das Trump-Regime, weder die Menschen noch das Land noch das Klima im Sinn. Es geht nur um Bereicherung der Reichen. Ausschließlich darum. Die Demokratien (und nicht nur die) sind von Menschen gekapert, denen es nur um persönliche, skrupellose Bereicherung geht. Das war schon immer so, wird aber umso deutlicher, indem die Lage immer aussichtsloser wird: Bereicherungsmöglichkeiten immer geringer, Planet immer mehr am Arsch. In der Situation verstecken sie sich nicht mal mehr. Nothing to lose for win-win.
Turnhalle Gartenstraße79
Unglaublich. In den 1970ern zwang mich das humanistische Arndt-Gymnasium Krefeld zu Leibesübungen mit Medizinball tatsächlich in die, wie ich gerade lese, älteste Turnhalle Deutschlands. Dabei bin ich sicher, unser Turnlehrer war älter als die Halle.
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Noch in den 1980er-Jahren erfuhren wir das Neuste aus der Welt bestenfalls einmal pro Stunde aus dem Radio und aus dem Fernsehen zwei- bis dreimal am Tag zwischen 16 Uhr und Mitternacht.
Vor allem wurde das Neuste aus der Welt aufbereitet von Fachleuten dafür: von Journalisten.
Wir vertrauten den Journalisten und die Journalisten erstellten ihre Berichte basierend auf einem strengen Kodex und Selbstanspruch in Sachen kompetenter Ausgewogenheit. Diese Grundprinzipien lernten wir sogar in der Schule als Muster für Aufsätze im Deutschunterricht: Wir lernten, dass es um ein ausgewogenes Auflisten der Fakten geht, dann um die Beschreibung der Vor- und Nachteile unterschiedlichen Handelns auf Basis dieser Fakten, und schließlich um ein alle Vor- und Nachteile berücksichtigendes Resümee. Ganz am Ende war es erlaubt, kurz seine eigene Einstellung zum Thema zu erläutern – kurz und entsprechend gekennzeichnet.
Ohne Vertrauen geht nichts. Vertrauen wird immer wieder diskreditiert, indem es mit blindem Gehorsam gleichgesetzt wird. Und das Berichten mit Manipulation. Das wiederum nennt man Propaganda. Propaganda diskreditiert Kompetenz, hasst Ausgewogenheit und besticht allein durch Lautstärke – so wie Ray Bradbury es in seinem Roman Fahrenheit 451 einen Feuerwehrhauptmann formulieren lässt: „Wenn das Theaterstück schlecht ist, der Film schwach, das Hörspiel nichtssagend, dreh die Lautstärke höher.“
Die Lautstärke besorgen die sozialen Medien. Am Knopf drehen Algorithmen und Bots – die Werkzeuge derer, die Vertrauen missbrauchen und zerstören.
2026 ist der Roman Fahrenheit 451 in den USA als Schullektüre und in öffentlichen Bibliotheken verboten.
Was sind das Grundgesetz, was ist die Selbstverpflichtung von #PayPal wert, wenn Faschisten mit über PayPal eingetriebenen Spenden Faschisten Partein gründen und unterhalten, damit in Landtage und wohl demnächst auch in den Bundestag ziehen? https://aktion.campact.de/rechtsextremismus/paypal-konto-der-afd-sperren/teilnehmen
“Half of the world has never heard of Edna, and the rest is too afraid to go on her show.” Barry Humphreys
Über Bande
Über 80 % der bei uns Schutzsuchenden kommen aus der Ukraine und aus Syrien. Die durch in diesen Ländern entfesselte Kriege provozierten Flüchtlingswellen stärken in den Gastländern rechte, autokratiefreundliche Dumpfbacken. Dass Deutschland auf dieses zynische Kalkül reinfällt, ist peinlich.
Ich frag mich, ob es Thomas Danneberg selig war, der sich mit der Imp-Stimme anonym was dazuverdient hat. Jedenfalls bizarr, dass die Puppe in #BeastYou irgendwie klingt wie John Cleese auf Valium.
Abschied
Stefan Niggemeier nimmt Abschied von Bambam, seinem Hund. Er tut das so berührend, dass ich an die Engel in Wim Wenders’ Himmel über Berlin denke, wenn sie zu den Sterbenden eilen, um ihnen Trost zu spenden, indem sie sie an die prägenden Momente ihres Lebens erinnern.
Sein Hundefutter will er nicht mehr, aber Würstchen liebt er immer noch. Fuck it, habe ich mir gedacht, es gibt wirklich keinen Grund mehr dafür, darauf zu achten, dass er sich gesund ernährt: Wenn ihn Würstchen noch glücklich machen, kriegt er halt Würstchen ohne Ende.
Mellotron ist keine Membran unter dem G-Punkt
Aus der beliebten Reihe „Bekloppte Instrumente“ heute: Das Mellotron. Das Ding war ursprünglich ein Orgel-Emulator. Um 1950 erkannte Henry Chamberlin, dass er Orgelklänge mithilfe von Magnetbändern sampeln konnte: Jede Taste in seiner Erfindung löst eine Aufnahme einer Orgel aus, die ebendiese Note spielt. Dann wurden auch andere Instrumente emuliert: Celli, Flöten … buchstäblich alles, was man aufnehmen kann. Das Mellotron war im Grunde das erste Sampling-Keyboard. Bekloppter als das Mellotron sind nur die Leute, die es hier präsentieren:
Aha, aha: Undenkbar ohne Mellotron: Strawberry Fields, Stairway to Heaven, Space Oddity …
Anything for Money
Freddy Feinbein[efn_note]Name in Gedenken an den unübertroffenen Comic-Anarchisten Don Martin und dessen kongenialen Übersetzer Herbert Feuerstein geändert.[/efn_note] präsentiert sich in seiner Website als rundum unabhängiger, so gut informierter wie fortschrittlicher Berater und Speaker. Gleichzeitig brüstet er sich damit, für Nestlé und Shell zu arbeiten, oder gearbeitet zu haben. Naja, zumindest ist er ehrlich: Das geschieht in der Rubrik „Ich bin käuflich“.
Schiffe versenken mit dem ZDF
Der Schwarm von Frank Schätzing war ein großartiges Buch, ein Buch, das sich las wie ein Hollywoodfilm. Das guck ich mir doch nicht in einer vom Autor offen nicht gebilligten Pilcher-Version (aka ZDF-Mehrteiler) an. Ich bin nur sauer, dass der Stoff jetzt wohl für Hollyood endgültig verbrannt ist.
Das findet auch Martin Betzwieser, hier, in derFreitag:
Was aus einem international erfolgreichen Weltklasse-Roman gemacht wird, ist traurig und frustrierend. Deutschland ist ein filmisches Entwicklungsland. derFreitag: Schwärmst Du noch oder pilcherst Du schon?
