zeichnung-von-michael-jackson Was wissen wir? Wer von uns war je Kinderstar? Amerika beerdigt den schwarzen Heintje. Was wir über ihn wissen, wissen wir aus den Medien. Dieselben Medien, die schon vor einem Vierteljahrhundert bei Demos gegen den NATO-Doppelbeschluss aus 20 Hooligans Tausende von Terroristen gemacht haben – einfach weil 20 Molli-Werfer in der Tagesschau besser aussehen, als eine Million Menschen, die Tofuburger essen und gegen Atomraketen demonstrieren.

Wenn ein tyrannischer Vater seinem Sohn für eine Medienkarriere die Kindheit raubt, ist es zumindest denkbar, dass der Sohn wirklich keine sexuellen Ambitionen hat, wenn er sich mit Kindern umgibt, um ihnen die Kindheit zu geben, die er selber nicht hatte. Es ist zumindest denkbar, dass er mit ihnen wirklich nur die Kindheit nachzuerleben versucht, die ihm in seiner eigenen Kindheit qua väterlicher Amibitionen versagt war.

Es ist zumindest denkbar.

Die Tränen von Brooke Shields, einer Freundin des zu Grabe Getragenen, die von ihrer Mutter ihrer eigenen Kindheit in den 1980ern brutal beraubt wurde, sprechen ihre eigene Sprache. Und wenn der Prediger und Bürgerrechtler Al Sharpton den Kindern des Verstorbenen sagt: „Euer Vater war nicht seltsam. Seltsam waren die Dinge, mit denen euer Vater umgehen musste“, und wenn diesem Satz Standing Ovations folgen, und wenn die Tochter des Toten eine völlig normale Zwölfjährige zu sein scheint, wenn sie, allem Anschein nach ohne Zwang, das Wort ergreift und tränenerstickt wieder abgibt, weil sie außer ihrer Liebe zu ihrem Vater nichts auszudrücken imstande ist, dann ist es zumindest denkbar, dass das wahr ist.

Al Sharpton hat nicht, wie Spiegel Online schreibt, Michael Jacksons Vater umarmt. Joseph Jackson kam nach Sharptons Nekrolog auf diesen zu und bot ihm eine Umarmung an – was Sharpton ignorierte. Er umarmte Michaels Geschwister und reichte Michaels Kindern die Hand. Joseph Jackson verdrückte sich, stehengelassen, auf seinen Platz.

Menschen, die damit protzen, George Orwells „1984“ gelesen zu haben, Menschen, die nicht müde werden, ihre Skepsis gegenüber den Medien zur Schau zu tragen und die Ursula von der Leyen als oberflächliche, als naive Ignorantin bemaulen – genau diese Menschen glauben angesichts des Todes von Michael Jackson, was die Medien ihnen vorsetzen, die Medien, die sich zumindest und zuerst der Quote verpflichtet sehen. Und die gedeiht immer gut angesichts von Bigotterie.

Ich war nie ein ausgewiesener Michael-Jackson-Fan (1985, als ich in enem Jugendzentrum Zivildienst machte, ging er mir als Dauerbeschallung in der Teenie-Samstagsdisco sogar ungeheuer auf den Sack). Und ich werde immer ein Skeptiker sein. Ich werde nie aufhören alles und jeden und zuerst mich selbst zu hinterfragen. Und besonders das, was da über meinen superduper Plasmaschirm flimmert. „Euer Vater war nicht seltsam. Seltsam waren die Dinge, mit denen euer Vater umgehen musste“, dieser Satz berührt mich. Und auch die Tränen von Brooke Shields – ausgerechnet die, denn ich war nun wahrlich nie ein Fan von „Die blaue Lagune“.

Niemand von uns war je Kinderstar.

Die Zeichnung da oben stammt übrigens, nach allem was ich weiß, von Michael Jackson. Redet eigentlich irgendjemand über Michaels Vater?