Das erspart jede weitere Werbung.

pizzeriaIch liebe Pizzataxi-Reklame. Ich liebe Menschen, die nichts wirklich können, das aber sehr laut anpreisen und betreiben. Nein wirklich. Pizzalieferservices sind die Ikonen der Zeit. Wegelagernde Inkompetenz, deren Werbung deutlich anzusehen ist, dass sie nichts anderes im Schilde führt, als aus Teig und Benzin Kohle zu machen. Diese Werbeslogans auf ihren immergleichen Faltblättern, ich lese „Steinofen gebacken“. Was rauchen die? Warum backen die ihren Ofen? Und ich lese auch (sic!) „Werbung ist nicht unsere Stärke Aber Pizza“, ein Wortkonglomerat, ganz nah an „Die Krise ist keine Kulisse für Schaukämpfe“.

Natürlich lasse ich trotzdem keine Pizza kommen. Ich kaufe generell nicht bei Menschen die sogenannte lustige dicke Kochfiguren auf ihre Prospekte drucken lassen, und das tun sie alle. Neben Pilzpiktogrammen und lachenden Fischen lungern sie herum, diese grenzebilen gezeichnete Fettsäcke mit Kochmütze, die eine Pizza halten oder, auch beliebt, sie just aus dem Ofen ziehen und dabei glotzen als bekämen sie gerade einen geblasen. Nein, nein, nein. Kauf ich nicht.

Und wenn sie zehnmal ihren Steinofen backen.

By | 24. März 2009|Categories: Gelesen & Gehört|4 Comments

Gott

Pierre Desproges

Wenn ich Gott wäre, ich schürte den Glauben an mich vermittels so unkoordinierter wie epochaler Demonstrationen meiner grandiosen Allmacht. Ich würde mich beispielsweise in bewaffnete Konflikte einmischen, wo ich der Brutalität des männlichen Nahkampfs ein wenig seiner Spitze nähme, indem ich Bajonette in Rhabarberstangen verwandelte (deren Gehalt an Vitamin C und B1 übrigens bemerkenswerter ist als der von Bajonetten).

Aus purer Wichtigtuerei würde ich ständig menschliches Leid lindern. Ich würde die Lahmen sehend und die Tauben gehend machen. Mit begeisterter Inbrunst würde das Volk meinen geheiligten Namen beschwören. Selbst eingefleischte Atheisten würden in den Schoß meiner heiligen Kirche einkehren – an dem Tag, da ich ihnen kraft eines gleißenden Aufblitzens meines göttlichen Lichtes in nur dreißig Tagen prächtige Muskeln schenkte – ganz bequem zuhause und ohne jede Anstrengung.

Wenn ich Gott wäre, ich würde nicht meinen Sohn auf die Erde schicken, um die Menschheit von ihren Sünden zu erlösen. Ich würde ihnen meinen Schwager Karlheinz schicken. Er ist hässlich, falsch, spielt Fußball und hinter dem Äußeren eines zurückgebliebenen Dorftrottels versteckt er nur schlecht das Gemüt eines plumpen Bauern.

Sic transit gloria mundi.

Amen.

[Pierre Desproges, „Glücklich leben im Angesicht des Todes“, Deutsch von Sven Knoch.]
By | 23. März 2009|Categories: Gelesen & Gehört|0 Comments

Trivial

Alle schreiben alles. Alle fotografieren alles.
Alle hören alles. Alle machen Musik. Alle malen. Alle tanzen Tango. Alle globetrotten. Alle fotografieren Berlin im Schnee. Alle haben schonmal einen eigenen Gedichtband rausgebracht. Alle bloggen. Alle twittern. Alle verwirklichen sich total. Alle sind Journalisten. Alle sind keine Journalisten. Alle kommunizieren allen alles jederzeit. Alle filmen sich beim ficken. Und flickern und bloggen es. Alle haben gerade Erkältung. Allen ist gerade die Katze gestorben. Alle waren schonmal im Fernsehen. Indem das Besondere Allgemeingut und Prominenz das Resultat von Losziehungen wurde, wurde die Exzellenz trivial. Das ist die digitale Konterrevolution, Schnucki. Die wahre neue Prominenz ist das Unprominente, das ist der nichtkommunizierte Kuss, der nicht gefilmte Sex, die nicht fotografierte Katze, also das heimliche Leben, das was nicht hervorsticht. Das Unprominente ist die neue Prominenz. Und weißt du was traurig ist, Schätzchen? Indem ich diesen exzellenten Gedanken in das Vakuum deines hübschen Schädels publiziere, ist auch er schon wieder trivial.
zt_ms_alles-schon-gesagt1
By | 6. März 2009|Categories: Gelesen & Gehört, Random|1 Comment