10.11.03
In den Dreißigern des letzten Jahrhunders, eigentlich schon seit den Zehnern und Zwanzigern, revolutionierten junge Purschen wie Picasso, Braque, Mondrian und Konsorten die Kunst. Mit Lust an der Kunst. Sie nahmen, was sie hatten und führten es weiter. Sie wohnten in einem Viertel in Paris, feierten, kupferten voneinander ab, wenn sie nichts besseres im Hirn hatten, und dann wieder forderten sie sich gegenseitig heraus. Niemand sah es darauf ab, ob Orangina Limonade eine Werbung im Kunstwerk schalten würde (oder "Guernica wird Ihnen präsentiert von Messerschmitt-Bölkow-Blohm"). Natürlich aber hatten alle ihre Impresarios... Die heutigen Impresarios sitzen alle bei den Werbekunden. Und sie haben Probleme, wenn jemand seinem Querkopf folgt, ohne vorher die Demoskopie zu berücksichtigen. Schon ab 100.000 verkauften Singles macht der Popstar heute schon Gold. "Superstar" Alexander führt die Top 100 mit 20.000 verkauften CDs an. Die Nummer zwo erringt ihren Rang - so die "Süddeutsche" gestern - schon mit 5000 verkauften Plastikscheiben. Ruhm nimmt sich nicht mehr ernst, die Impresarios fehlen und Ruhm wird inflationär. Sieht man die letztgenannten Zahlen ist Ruhm geradezu nichtig. Es wohnen auch keine Menschen, die den Pinsel oder das Mikrofon genau so inbrünstig führen wie andere die Maurerkelle, mehr in einem Viertel. Die meisten schielen danach, ob Orangina oder Messerschmitt-Bölkow-Blohm Anzeigen schalten. Dann kauft man sich seine Finca auf Mallorca und benimmt sich ansonsten, als sei man bitterarm. Wie feige, wie unsolidarisch ist die kreative Klasse geworden... Versichert Euch meiner vorzüglichen Verachtung, ihr meine potenziellen Ex-Idole.
sven 04:12
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