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Froncraische:
Das Chanson boomt wieder

 

LES FRANCOFOLIES DE BERLIN
[24.09.2003] Die "Francofolies" sind in Frankreich seit langem ein etabliertes Projekt, das jungen francophonen Singer-Songwritern - angestaubt "Chansonniers" genannt - Forum und Sprungbrett ist. Den so ermittelten Botschaftern der neuen französischen Welle organisierte man am Wochenende vom 18.-22. September 2003 die Francofolies de Berlin. Als Höhepunkt des zweiten Festivaltages war der französische Shooting Star Benjamin Biolay in die Berliner Kulturbrauerei eingeflogen worden. Doch die Feature Acts klauten ihm die gelangweilte Show - allen voran die in Berlin ansässige Corinne Douarre, die die gefürchtete Disziplin, als erste auf die Bühne zu gehen wie ein Haupt-Act meisterte...

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[20.05.2003 - 04:59 Uhr] "Frocraische" bringt Dir die Texte zu den neuen französischen Chansons auf Deutsch - und zwar die Chansontexte und die Texte zu den Interpreten - zum besseren Verständnis unseres alteuropäischen Nachbarn Frankreich...

Nachdem es mittlerweile (gottseidank) eine Frankophilie jenseits von Ulrich Wickert gibt entsteht hier eine Reise durch französische Gefühlswelten für alle Teutonen die ein großes Problem eint: die Sprache. Das fängt damit an, dass kaum einer weiß, was die Franzosen in ihren Liedern singen, weil man Französisch in der Elf Eins abgewählt hat. Viele nahmen da lieber Englisch. Französisch - das klang zu doof, zu affektiert, zu arrogant. So klingt vielen Alteuropäern seit George W. Bush jetzt alles, was Englisch spricht, und das Feuilleton nennt das eine Renaissance des französischen Chansons.

Das französische Chanson wird gerade auch in Frankreich wieder heftig besungen - erstaunlicherweise aber auch in Deutschland. Sogar der Spiegel schreibt beispielsweise über Benjamin Biolay, in dem das alte Europa schon gleich die Wiedergeburt von sowohl Jacques Brel als auch Serge Gainsbourg sieht. Ich glaube so viel wie die beiden Verblichenen wollten könnten sie gar nicht saufen angesichts dieses teutonischen Feuilleton-Orgasmus. Mancher Sänger hierzulande würde sich bedanken, bezeichnete man ihn als Reinkarnation von Reinhard Mey und Herbert Grönemeyer in einer Person.

Biolay jedenfalls wäre (glaubt man französischen Berichten) froh, ließe man ihn seine Musik machen ohne gleich mit Messlatten auf ihn los zu gehen. "Les gens c'est tous des cons" singt er in einem seiner Songs aus dem aktuellen Album "Négatif" - "Alle Leute sind Schweine", die Ganoven wie die sogenannten Ehrenhaften - und wahrscheinlich auch die Kulturveteranen, die ihn, das Greenhorn, gleich in ihre sentimentalen Kategorien zu pferchen versuchen.

Gleichzeitig mit Biolay ruft sich auch ein Rebell der späten Siebziger und frühen Achtziger ins Gedächtnis zurück: Renaud (Séchan) mit seinem Album "Boucan d'enfer" ("Ein Höllenlärm") zeigt einen, der über die Entwicklung seiner letzten zwanzig Jahre sagt: "Mittlerweile sage ich nicht mehr 'Die Bullen sind Schweine', heute sage ich 'Arschlöcher sind Schweine". Damit steht der knapp fünfzigjährige gleich neben dem gerade mal kurz über dreißigjährigen Biolay, und es trennt die beiden nur 25 Jahre Lebenserfahrung - wir Menschen sind was den Begriff der Tradition angeht seit jeher ziemlich kurzangebunden.

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PAROLES ET MUSIQUE
+ Carla Bruni
+ Stephane Sanseverino
+ Francofolies
+ Benjamin Biolay
+ Renaud Séchan
Francofolies de Berlin
Benjamin Biolay
arte

CARLA BRUNI
[15.07.2003 - 03:08 Uhr] 's Fräulein Bruni, ehemaliges Model, singt. Carla, die Musikertochter italienischer Abstammung singt beispielsweise über die Liebe, sie habe nichts von Yves Saint Laurent. Sie muss es wissen. Und 's Fräulein Bruni singt und schreibt besser, als viele der bisherigen französischen Schlagermamsellen, die lieber die Klappe gehalten hätten und anderweitig Karriere gemacht hätten - vielleicht auf dem Laufsteg - wenn sie nicht immer wieder Männer wie den Chansonschreiber Gainsbarre so schrecklich bemust hätten...

TEXTE
+ Die Liebe [L'amour] >>>
+ Jemand hat gesagt... [Quelqu'un a dit] >>>

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Carla Bruni

SANSEVERINO
[03.06.2003 - 03:50 Uhr] Kommt sicher noch in extenso in dieser Website vor: Stéphane Sanseverino. Kurz gesagt: Der Mann knüpft mit seinem Solodebut da an wo Jacques Higelin in den Sechzigern bei Canetti anfing (héhé, 'ne Menge Fachchinesisch für den Chanson-Anfänger). Es swingt und tangot auf "Le Tango Des Gens" wie auf der Debut-Scheibe von Jaco mit Verve und Humor. Und ich fress einen Besen, wenn Sanseverino nicht auch irgendwann beim Rock landet. Obwohl er es heute leugnet. Es gibt Köpfe, die stehen über jeder Stilistik. Weil sie originär sind. Schade, dass seine Website bei SONY France gerade down ist. Dieu merci gibt's ihn bei AMAZON.

TEXTE
+ Versager Swing [Le swing du nul] >>>

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Stéphane Sanseverino

FRANCOFOLIES
[25.05.2003 - 04:02 Uhr] Haindling läuft auf Bayern 3 und amüsiert aufs Beste. Ich trink' ein Glas Merlot und recherchiere über die Francofolies, Jean-Louis Foulquier und seine Dauerbrenner-Sendung "Pollen" auf France Inter. Tauche so tief ein in meine französische Herzkammer, dass ich bemerke, wie ich erschrecke als ich merke, dass Haindling deutsch singt. Könnte von der Spielfreude her Franzose sein, der Hans-Jürgen Buchner.

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Jean-Louis Foulquier und Jacques Higelin

BENJAMIN BIOLAY
[22.05.2003 - 03:59 Uhr] Étonnant, non? Die Domain www.biolay.de gehört Elektromeister Wolfgang Lay, Geschäftsführer von "Biolay - Planung und Beratung für biologische Elektroinstallation". Der teutonische Benjamin... je suis négatif...

[22.05.2003 - 02:34 Uhr] Ich war begeistert von der musikalischen Stimmung von Biolays "Négatif" , um so mehr irritieren mich seine Texte, die immer dann aufzuhören scheinen, wo Gainsbourg noch einen Schritt weiter ging und zu Potte kam... Daher dauert's hier noch was mit der ersten Biolay-Übersetzung. Nebenbei stieß ich auf eine Sängerin namens Maurane (siehe rechts), deren Texte sind ein rechter Spaß. Einen der plakativeren habe ich mal übersetzt: "Fais-moi l'homme" - oder: wie angle ich mir eine fremdwörtverliebte Frau mit sexuellen Defiziten.

ALBUM "Négatif"
> Les Insulaires [Die Inselbewohner]

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RENAUD
[20.05.2003 - 04:59 Uhr] Renaud Séchan tobte mit seiner Cordmütze in den Siebzigern durch Paris und sang "Je suis amoureux de Paname". Paname ist dabei keine internationale Fluggesellschaft sondern das lokale Wort für Paris, so wie der Kölner für seine Stadt Kölle sagt. Er sang sich mit "Die Bullen sind Schweine" in die Herzen der Franzosen, die jede Obrigkeit sehr verabscheuen, solange sie nur da ist und für Ruhe und Ordnung sorgt.

Irgendwann vor zwanzig Jahren hat Renaud, der Rebell dann geheiratet und vor vier Jahren - Renaud ging auf die fünfzig - gab es eine Scheidung. Der Mann ist insofern über den Berg, als dass er nach den unvermeidlichen Exzessen, die eine Trennung mit sich bringt zumindest wieder Worte und Melodien findet. Ohne Cordmütze. Und mit einem Blick, den er sich mit zwanzig wohl gewünscht hätte.

Wer weiß, was aus Benjamin Biolay und seiner angetrauten Mastroianni junior wird. Vielleicht hat der Benjamin des französischen Chansons in zwanzig Jahren auch das Stechen in den Augen, das er auf dem Cover von "Négatif" schon heute inszeniert...

Die Textabteilung dieses Online-Experiments jedenfalls leite ich (siehe rechts) heute ein mit einer Übertragung von Renauds "Cœur perdu" aus seiner aktuellen CD "Boucan d'enfer".

Wer des Französischen kundig ist und darüber hinaus über einen satten Internetzugang verfügt, dem sei die Homepage von Renaud wärmstens ans Herz gelegt. Die Leute der Webagentur "MILK" haben ihm eine Flash-Site hingelegt, wie sie sich Monty Python wahrscheinlich bis heute wünscht.

TEXTE
+ Höllenlärm [Boucan d'enfer]
+ Herz verlor'n [Coeur perdu]

www.renaud-le-renard.com

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Renaud Séchan